52 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
und rieth Ludwig XIV. , mit den vereinten Streitkräften gerade gegenAmsterdam vorzurücken, wohin der Weg vollständig frei war. Ludwig XIV.und Louvois zogen es vor, das Heer zu zersplittern, um die FestungenNymwegen, Doesborgh, Grave, Herzogenbusch und andere zu belagern.Gegen Amsterdam wurden nur 4000 Mann Reiterei unter dem Marquisvon Rochefort geschickt. Dieser rückte bis Naarden und nahm diesenOrt, worauf er mehrere Tage in nutzlosen Unterhandlungen verlor, ohnedie Nachlässigkeit der Holländer zu benutzen, die zwei nur einen Tage-marsch von Amsterdam gelegene, wichtige Orte — Weesp undMuiden —nur mit schwachen Detachements besetzt hatten. Der letztere dieser Ortewar besonders deshalb wichtig, weil in ihm die Amsterdam mit Wasserversorgende Hauptschleusse sich befand, vermittelst deren man die ganzenördlich von Utrecht gelegene Gegend unter Wasser setzen konnte. Die-ses benutzend, befahl der Prinz von Oranien, sobald die französischenDetachements sich Muiden näherten, die Schleusse zu öffnen und dieDeiche zu durchstechen, wodurch die ganze Gegend überschwemmtwurde, während er mit seinem Heere (13,000 Mann) auf den gegen Amster-dam führenden Hauptdämmen Stellung nahm. Bis zum Beginn des Win-ters war es daher unmöglich, gegen Amsterdam zu operiren. Nun riethTurenne, um den Spaniern zuvorzukommen, die Niederlande zu besetzenund ein französisches Heer nach Deutschland zu senden, um diejenigenFürsten, welche die Absicht hatten, Holland beizustehen, daran zuhindern. Ludwig XIV. und Louvois gingen hierauf nicht ein • der Her-zog von Luxembourg wurde mit 16,000 Mann in der Gegend von Utrecht(das sich nebst vielen anderen Orten den Franzosen ergeben] zurückge-lassen, um den Prinzen von Oranien zu beobachten, und Turenne bekamden Auftrag, mit 12,000 Mann jenseits der Maas und Waal Stellung zunehmen, um den Kurfürsten von Brandenburg, der den Holländern zuhelfen beabsichtigte, zu beobachten. Es muss befremdend erscheinen,dass man Turenne zu einem so wichtigen Auftrage eine so geringe Hee-resmacht gegeben, was aber einerseits sich dadurch erklärt, dass dasfranzösische, anfänglich aus 100,000 Mann bestehende Heer durch Be-lagerungen und Besetzungen von Festungen bedeutend geschwächt war,sowie anderseits dadurch, dass Louvois aus Eifersucht Turenne keine grös-seren Streitkräfte anvertrauen wollte.
Im Anfange des 1672 in Holland geführten Feldzuges operirten beideTheile auf höchst sonderbare Weise. Louvois verwandte alle seineAufmerksamkeit auf die Belagerung und Eroberung von Festungen, in-dem er hierzu den grössten Theil des von ihm zersplitterten Heeres ge-brauchte, während er zu den im Felde zu unternehmenden Operationennur die allergeringsten Streitkräfte zurückbehielt. Gegen eine Summevon 60,000 Thlrn. entliess er 30,000 Mann holländischer Truppen, welche