Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

3. Die beinerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 51

Deutschland Schweden den Krieg. Nach dem Tode Turenne's wurdendie Niederlande von Neuem der Hauptschauplatz des Krieges; nachdemdie Franzosen allmälig mehrere Festungen genommen, näherten sie sich1678 der Grenze Hollands. Zur See hatte Duquesne, der dem aufständi-schen Messina zu Hülfe geschickt worden, in der Seeschlacht am Aetnadie vereinigte Flotte unter de Ruyter, der selbst fiel, geschlagen undgleich darauf 1677 sie gänzlich vernichtet. Endlich zwang die Erschö-pfung beide kriegführenden Theile, dieFriedensunterhandlungen zu eröff-nen. Ungeachtet aller Anstrengungen des Prinzen von Oranien, gelanges Frankreich, einen Separatfrieden mit Holland zu Nymwegen zuschliessen, dem sich bald 1679 die übrigen Staaten anschlössen. Der vonFrankreich dem übrigen Europa vorgeschriebene Nymweger Friede ver-grösserte es von Neuem, indem ihm von Spanien die Franche-Comte und12 Festungen an der niederländischen Grenze abgetreten wurden und amRhein Freiburg an Stelle Philippsburgs. Dänemark und Brandenburgwurden genöthigt, die von Schweden eroberten Länder wieder herauszu-geben. Holland hingegen verlor Nichts, wodurch der Zweck des gegendasselbe von Ludwig XIV. geführten Krieges nicht erreicht wurde. Vonallen Operationen des zweiten niederländischen Krieges verdienen dieletzten vier Feldzüge Turenne's die meiste Aufmerksamkeit.

§. 25.

Die vier letzten Feldzüge Turenne's. Der Feldzug von 1672 in

Holland und am Niederrhein.

Dem Operationsplane Turenne's nach passirte die französische Haupt-armee im Frühjahr 1672 die Maas bei Vise und rückte gegen denNiederrhein. Die Festungen Orsoy, Wesel, Rees, Emmerich und nochandere am Niederrhein gelegene wurden ohne Mühe von den französi-schen Truppen besetzt. Die Werke derselben waren nicht in Vertheidi-digungsstand gebracht, ihre schwachen Garnisonen wurden von den eineBelagerung fürchtenden Bewohnern gezwungen, sich zu ergeben, wäh-rend die Commandanten grössten Theils von den Franzosen bestochenwaren. Im Angesichte des Feindes vollführte Turenne den kühnen Ueber-gang über den Rhein bei Tollhuis, und den durch diesen Uebergang, wiedurch die anfänglichen Erfolge der französischen Waffen auf die Holländergemachten moralischen Eindruck benutzend, wandte er sich gegen Arn-hem, in dessen Nähe Jenseits der Yssel der Prinz von Oranien mit demholländischen Heere Stellung genommen hatte. Turenne beabsichtigtein der Nähe Arnhems über die Yssel zu gehen, um dem Prinzen von Ora-nien in den Rücken zu kommen, im Falle dieser seine Stellung jenseitsder Yssel nicht aufgeben würde. Da jedoch der Prinz von Oranien sichgegen Utrecht zurückzog, so passirte Turenne die Yssel, nahm Arnhem