50 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
langwierigen und unentschiedenen Charakter an ; vermittelst des Durch-stechens der Deiche hielt der Prinz von Oranien das weitere Vordringender Franzosen auf, das sie selbst im Winter in Folge beständigen Thau-wetters nicht fortsetzen konnten. Unterdessen hatten die Unterhand-lungen des Prinzen von Oranien, sowie die Holland und das politischeGleichgewicht Europas bedrohende wirkliche Gefahr, Oesterreich undSpanien bewogen, ein Bündniss mit dem Prinzen von Oranien zu schlies-sen (1673). Diesem Bündniss schlössen sich bald (1674) Brandenburgund das übrige Deutschland sowie Dänemark an. Die StreitkräfteHollands wuchsen in dem Maasse, wie die Ludwig's XIV. abnahmen. Erverlor den Beistand Englands, das einen Separatfrieden (1674) mit Hol-land geschlossen, wie den Deutschlands, und nur mit Mühe gelang esihm. Schweden zu einem Kriege mit dem Kurfürsten von Brandenburgzu bewegen.
So verwandelte sich der von Frankreich mit Holland geführte Kriegin einen allgemeinen europäischen Krieg, der zu gleicher Zeit in denNiederlanden, in Nord- und Süddeutschland und auf dem Meere geführtwurde. Nachdem die Franzosen 1674 alle von ihnen in Holland erobertenFestungen, mit Ausnahme von Mastricht und Grave, geräumt, benutztensie die Garnisonen derselben, um zum zweiten Male in .".ie Franche-Comtezu dringen, was von ihnen auch, ohne dass sie auf Widerstand stiessen,in sechs Wochen durchgeführt wurde. In den Niederlanden überfielConde den Prinzen von Oranien bei Senef, doch die dadurch erfolgteSchlacht blieb unentschieden, so dass beide Theile sich den Siegzuschrieben. Die Kesultate der 1674 geführten Feldzüge waren unbe-deutend; Conde verhinderte den Prinzen von Oranien, die Festung Oude-naarde zu belagern, wogegen der Letztere den Franzosen die FestungGrave entriss. Der mit unbedeutenden Streitkräften am Rhein operirendeTurenue rettete zwei Mal das Elsass, fiel jedoch bei Sassbach 1675, nach-dem er den geschicktesten Feldzug gegen Montecuculi ausgeführt.
Man kann annehmen, dass Turenue, wenn er bedeutendere Streit-kräfte gehabt und in seinen Handlungen nicht durch die Abhängigkeitvon Ludwig XIV. und Louvois so beschränkt gewesen wäre, dem Kriegein Deutschland eine andere Wendung gegeben hätte. Nach dem TodeTurenue's trat Conde an seine Stelle, verliess aber bald, seiner zerrütte-ten Gesundheit wegen, das Heer. Montecuculi, der es als unter seinerWürde betrachtete, sich mit französischen Generälen zweiten Ranges zumessen, legte ebenfalls in diesem Jahre das Commando der kaiserlichenHeere nieder. Seit dieser Zeit wurde die Operation in Deutschland un-bedeutend. In Norddeutschland drangen die Schweden (1675) in Bran-denburg ein, doch wurden sie bei Fehrbelliu vom Kurfürsten FriedrichWilhelm dem Grossen geschlagen. Hierauf erklärten Dänemark und