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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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3. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 49

renen Admirals de Knyter. Auf diese gewaltige Flotte, auf die vonDämmen durchschnittene Oertlichkeit des Landes und auf die hohenpersönlichen Talente Johann de Witt's gründeten sich die HoffnungenHollands.

Johann de Witt verstand es, die gegenseitige Lage Hollands undFrankreichs zu beurtheilen, und aus der Errichtung von Magazinen inBonn, Neuss und Kaiserswerth die wahre Absicht der Franzosen errathend,machte er den Generalstaaten den weisen Vorschlag, dem Eindringender Franzosen in Holland dadurch vorzubeugen, dass Holland seinerseitsin die Besitzungen des Kurfürsten von Köln und des Bischofs von Mün-ster eindringe, um die französischen Heere und Magazine unverhofft zuüberfallen. Die Bänke aber der Neider und Feinde Johann de Witt'swaren die Ursache, dass die Generalstaaten seinen weisen Plan zurück-wiesen und zwar unter dem Vorwande, dass Frankreich den Krieg nochnicht erklärt habe.

§.24.Der allgemeine Gang des zweiten niederländischen Krieges.

Im Frühjahr 1672 griffen Frankreich und seine Verbündeten Hollandvon der Land- und Seeseite an. Die französische Hauptmacht, den Königan der Spitze und unter ihm Turenne, nachdem sie den Bhein bei Toll-kuis und die Yssel bei ihrer Mündung in den Bhein passirt, rückte vonOsten her in Holland ein und wandte sich gegen Amsterdam. Die De-tachements derselben waren schon bis Muiden, vier Meilen vor Amster-dam, gedrungen.

Der Untergang der Bepublik auf dem Festlande schien unvermeid-lich, doch zur See focht de Buyter ziemlich glücklich gegen die vereinigtefranzösisch-englische Flotte bei Solbay. Jetzt entstand im Haag einVolksaufstand; Johann de Witt fiel als Opfer des ungerechten Ver-dachtes wie der Unzufriedenheit des Volks, und der junge, 22jährige Prinzvon Oranien wurde zum Statthalter ernannt. Unverzüglich trat er mitallen Staaten des westlichen Europas in Unterhandlungen, verwandtealle seine politische Gewandtheit und machte alle möglichen Anstrengun-gen, um ein starkes Bündniss gegen Ludwig XIV. zu Stande zu bringen.

Doch ohne die militärischen Missgriffe des Letzteren wären alle Ge-wandtheit und alle Anstrengungen des Prinzen von Oranien nicht imStande gewesen, Holland zu retten. Ludwig XIV. befolgte nicht Tu-renne's Bath, oder richtiger gesagt, er that gerade das, was Turenne zuvermeiden rieth. Er zerstückelte sein Heer im ganzen Lande, so dassseine Theile fast überall zu schwach waren. Der Zweck dieser Zerstücke-lung war, Festungen zu nehmen und zu besetzen. Der Krieg nahm einen

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 111,2. 4