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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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48 II- Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

das ihm möglich machte, in Holland von seiner schwächsten Seite, vonOsten her einzudringen, nachdem er im kölnischen und münsterschenGebiet die Niederlagen seines Proviants und Kriegsbedarfs errichtethatte. Die Südgrenze Hollands war äusserst stark; sie wurde durch dieFlüsse Maas und Waal gedeckt, dann südlich von der Waal durch eineKeihe von Festungen (die bedeutendsten von ihnen waren: Bergen opZoom, Breda, Herzogenbusch. Grave und Nymwegen), und endlich nochmehrere befestigte Orte, die Holland ausserhalb seiner Südgrenze besass,wie an der Maas die Festung Mastricht (die man für so wichtig hielt, dassman ihr eine Garnison von 13,000 Mann gab) und am unteren Bhein dieFestungen Mosel, Emmerich, Rheinsberg und andere. Die OstgrenzeHollands wurde nur durch äusserst schwach befestigte Städte gedeckt,wie Arnhem, Duisburg, Zütphen und Deventer.

Hierauf gründete sich der Ludwig XIV. von Turcnne vorgeschlagenePlan der anfänglichen Operationen, der in Folgendem bestand: Nach-dem man im kölnischen und münsterschen Gebiet Niederlagen vonProviant und Kriegsbedarf errichtet, sollte man durch diese Lande inHolland über dessen Ostgrenze einrücken und hierauf nicht, wie es da-mals gebräuchlich war, gegen irgend eine Festung, sondern gegen dieHauptstadt Hollands, Amsterdam, mit vereinten Streitkräften entschlossenvorrücken, die eroberten Festungen schleifen, um nicht durch die für sienöthigen Garnisonen das active Heer zu zersplittern und zu schwächen.Dieser vorzügliche Operationsplan wurde nur zur Hälfte angenommenund ausgeführt, namentlich nur in Bezug auf die anfänglichen Bewegun-gen des französischen Heeres aus den münsterschen und kölnischen Lan-den gegen Holland von dessen Ostgrenze her. Ein Heer von 102,000Mann französischer Truppen war bestimmt, in Holland einzurücken, vonwelchen 60,000 Mann zwischen der Sambre und Maas, 30,000 Mannzwischen der Maas und der Mosel und 12,000 Mann im KurfürstenthumKöln die Cantonirungen bezogen. Alle diese Truppen waren in zweiHeere getheilt, von denen das eine 60,000 Mann stark war und, vomKönig persönlich angeführt, unter dem Herzoge von Orleans und Turennestand. Das andere, 25,000 Mann stark, wurde von Conde befehligt;der Rest der Truppen war in Detachements zersplittert, die zu verschie-denen Zwecken bestimmt waren.

Die französische, aus 44 Linienschiffen bestehende Flotte unter demGrafen d'Estrees sollte sich mit der englischen, aus 50 Linienschiffenbestehenden Flotte unter dem Herzoge von York vereinigen.

Einer so überlegenen, von der Land- und Seeseite zugleichdrohenden Macht konnte Holland nur 25,000 Mann entgegenstellen, undzwar nur geworbene Miethtruppen; dafür aber bestand seine Flotteaus 91 Linienschiffen unter dem Oberbefehl des geschickten und erfah-