2. Die Art der Kriegführung in dieser Periode. 43
Donau, Stellung nahmen, besonders zwischen Lauingen und Dillingenund im Schellenberg'schen Lager (bei Donauwörth), bei Augsburg (zwi-schen dem Lech und der Wertach) u. s. w. und hinter befestigten Linien(jenseits der Naab u. a.). Die Baiern belagerten nur die Festungen Ti-rols und die Verbündeten die Festung Ingolstadt, und das auch einzig inFolge der Feindschaft Marlborough's und des Prinzen von Baden. DieArmeen verharrten entweder in völliger Unthätigkeit oder manövrirten.Durch Zufall kam es nur zwei Mal zur Schlacht und beide Male bei Höch-städt. Die erste von beiden Schlachten (1703) blieb ohne bedeutendeErfolge, wogegen die zweite (1704) die Franzosen zum Rückzuge überden Rhein zwang und dem Kriege eine ganz andere Wendung gab. Dieletztere wurde von den Franzosen und Baiern durch ihre eigenen takti-schen Fehler verloren, die Marlborough sich geschickt zu Nutze machte.Ein charakteristischer Zug des Krieges an der Donau in Baiern ist der,dass in ihm die Manöver mit grösserer Raschheit und bedeutend mehrEntschlossenheit als in den Niederlanden ausgeführt wurden, weil derZweck des Krieges hier ein wichtigerer war und es hier bedeutend weni-ger Festungen gab.
§. 19.Charakteristik des Krieges in Italien.
Die in Italien geführten Kriege bestanden fast nur aus Festungsbe-lagerungen (namentlich in Piemont und Savoyen) und vorzüglich ausManövern (besonders da, wo Prinz Eugen von Savoyen und Vendome dieHeere befehligten). In Bezug auf die Geschicklichkeit im Manövrirenwaren wohl die in Italien geführten Feldzüge die merkwürdigsten vonallen der in diese Zeit fallenden Kriege. Im spanischen Erbfolgekriegewurden die verhältnissmässig schwachen kaiserlichen Heere durch diegeschickten Manöver Vendöme's fast gänzlich aus dem nördlichen Italiengedrängt. Trotz der ihm ungünstigen Umstände und der Ueber-legenheit der französischen Streitkräfte, schlug Prinz Eugen, in Folgeseiner geschickten Manöver, die letzteren 1706 bei Turin und zwang sie,das nördliche Italien gänzlich zu räumen, wodurch die Franzosen alleim Laufe dreier Jahre mit grosser Mühe, Verlust an Menschen und be-deutenden Unkosten eroberten Festungen mit einem Federstrich verloren,wenngleich die Garnisonen derselben nach Frankreich zurückkehrten.
Die Offensiv-Defensiv-Operationen der Franzosen bezweckten an-fangs, das Einrücken der kaiserlichen Heere in Italien zu verhindern,dann sie aus demselben zu vertreiben und endlich ihre Verbindung mitdem Herzog von Savoyen zu verhindern und dem letzteren eine entschei-dende Niederlage beizubringen. Der Charakter des Landes, das vonvielen, von Norden nach Süden und umgekehrt strömenden Flüssen, wie