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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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44 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

von vielen Canälen durchschnitten und im Norden von den Alpen, imSüden vom Po und den Apenninen begrenzt ist, begünstigte die Defensiv-Operationen der Franzosen gegen die kaiserlichen Heere. Der wichtigstePunkt Nord-Italiens war die Festung Mantua. Die Operationen gegenden Herzog von Savoyen bestanden in der allmäligen Eroberung seinerFestungen, wodurch man in Piemont festen Fuss fasste. Der letzte undwichtigste Ort Piemonts, den die Franzosen belagerten, war die Haupt-stadt des Herzogs von Savoyen, Turin. Die Belagerung dieser Stadtbrachte den Herzogin eine äusserstschwierige Lage und führte zur Schlacht,in der das französische Heer eine vollständige Niederlage erlitt, in Folgederen es gezwungen wurde, Italien gänzlich zu räumen.

Die Operationen der kaiserlichen Heere bezweckten vornehmlichFolgendes: 1) in das nördliche Italien auf einem der drei dahin führen-den Wege einzudringen, aus Tirol und Kärnthen, zu beiden Seiten desGarda-Sees und über die untere Etsch; 2) am untern Po festen Fuss zufassen und endlich 3) in einer der drei dahin führenden Richtungen inPiemont einzudringen, entweder längs dem Südfusse der Alpen über dasQuellgebiet der Nebenflüsse des Po, oder auf dem linken oder rechtenUfer dieses Stromes. In der letzten dieser Eichtungen gelang es auchwirklich den kaiserlichen Heeren, zwei Mal (1703 und 1706) in Piemonteinzudringen. In den italienischen Feldzügen macht sich die Bedeutungdes Manövrirens bemerkbar, wie auch des Nutzens, den dasselbe, mitkühnen und entschlossenen Operationen vereint, brachte. Die Ursachedavon war aber hauptsächlich, dass die Heere von geschickten, kühnenund unternehmenden Feldherren Prinz Eugen und Vendome befeh-ligt wurden, ferner, dass sie einerseits nur aus Franzosen, ander-seits nur aus kaiserlichen Truppen bestanden, und wenn sich auch inihnen Verbündete befanden, so war ihre Anzahl so gering, dass sie keinenEinfluss auf die Einheit in den Operationen haben konnte.

§.20.Charakteristik des Krieges in Spanien.

Der Krieg in Spanien war theilweise Positionskrieg (d. h. die Heeredurchstreiften das Land in allen Richtungen, von einer Position zur an-dern tibergehend), hauptsächlich aber Gebirgskrieg. Belagerungenund Manövriren spielten auch hier keine unbedeutende Rolle. Die Ope-rationen in Spanien, obgleich sie als Grundlage die dieser Zeit eigeneArt des Krieges hatten, unterschieden sich von ihr durch einen besonde-ren Charakter und standen mit den Operationen anderer Länder in keinerVerbindung.