40 n. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
II.
Charakteristik des Krieges in den Niederlanden, in Deutschland, Italien
und Spanien.
§• 16.Die Art der Führung des Krieges in den Niederlanden.
Der Zustand des Landes, in dem der Krieg geführt wurde, die Be-standteile der in ihm operirenden Heere und so manche besondere Um-stände änderten mehr oder weniger den den Kriegen dieser Periodeeigenen Charakter. In den Niederlanden wurde der Krieg äusserst me-thodisch, langsam und unentschlossen geführt: 1) in Folge der zu derunbedeutenden Ausdehnung des Landes in keinem Verhältniss stehendengrossen Anzahl von Festungen verschiedener Grösse; 2) weil das äusserstdurchschnittene Terrain des Landes die Operationen des Angreifendenerschwerte, während es die des Vertheidigers begünstigte; 3) weil derpolitischen Bedeutung wegen, welche die Niederlande für beide Theilehatten, sie sich mit Hartnäckigkeit um den Besitz derselben stritten,besonders um den der Orte, die hinsichtlich der Politik, des Handels oderdes Krieges am wichtigsten waren, wie z. B. an der Maas Mastricht,Lüttich und Namur, in der Mitte des Landes Brüssel und Antwerpen undan der Küste Ostende und Dünkirchen; und endlich 4) in Folge der Be-standteile der verbündeten Heere, die aus den Truppen verschiedenerStaaten bestanden unter Anführung eines oder mehrer Feldherren, wes-halb auch weder in ihrer Begeisterung noch in ihren Operationen Einig-keit herrschen konnte. Einen grossen Theil der verbündeten Truppen(im spanischen Erbfolgekriege) auf eigene Kosten unterhaltend und ausFurcht, dass im Falle des Misslingens entscheidender Operationendem Feinde die Grenzen Hollands und mit ihnen der Eintritt ins Landeröffnet würde, beschränkte die holländische Regierung die Wirksamkeitder Feldherren und der Heere noch mehr, wodurch ihre ohnedem schongrosse Langsamkeit und Unentschlossenheit noch vergrössert wurde.
Aus diesem Grunde waren alle Kriege dieses Zeitabschnittes in denNiederlanden nur Festungs- und Belagerungskriege. Die Operationenderselben bestanden einzig in Belagerungen und Deckungen der Festun-gen, im Manövriren zwischen den Reihen der Festungen, zwischen demRhein und der Maas, zwischen der Maas und der Sambre, der Sambreund Scheide, der Scheide und dem Meere, im kleinen Kriege, in dem mansich beständig durch befestigte Linien deckte (deren es sehr viele gab;die bedeutendsten derselben erstreckten sich von der Maas über dieFlüsse Mehaigne und Dyle, längs der Scheide bis über den Canal vonBrügge! und indem die Hauptarmeen oft fast beständig in Unthätigkeit