2. Die Art der Kriegführung in dieser Periode. 39
sie, den Kampf meidend und manövrirend, nicht diejenigen Kräfte unddiejenige Thätigkeit entwickelten, die zur Erlangung entscheidender Er-'folge durch Schlachten unumgänglich nöthig sind. In diesem Sinne mussder kleine Krieg, die Operationen einzelner Heerestheile und das Manöv-riren der Armeen selbst als Unthätigkeit betrachtet werden.
§• 15.Der Charakter der Kriege dieser Periode im Allgemeinen.
Man ersieht aus dem bisher Gesagten, dass, wenngleich die Kriegeihren frühern ungeregelten und grausamen Charakter verloren, sie da-gegen den Charakter der Langsamkeit, Unentschlossenheit, überflüssigerRegelmässigkeit und des Methodismus angenommen hatten. Da die Feld-züge erst mit dem Spätfrühjahr begannen und im Frühherbste endeten,wo die Heere beider kämpfenden Parteien ihre Winterquartiere bezogen;da im Laufe dieser kurzen Feldzüge die Operationen langsam und un-entschieden, und ihre Zwecke und Resultate unbedeutend und nichtigwaren, im Laufe des Winters aber und des grössten Theiles des Herbstesund Frühjahrs die Heere in vollkommener Unthätigkeit blieben, so währ-ten die Kriege äusserst lange, verursachten den Staaten ausserordent-liche Verluste an Menschen, forderten unermessliche Unkosten und en-deten nicht in Folge des durch die Waffen erlangten Uebergewichtes undErfolges, sondern einzig deshalb, weil der eine Theil, öfter aber auchbeide, alle ihre Kräfte und Mittel erschöpft hatten.
Gegen das Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhundertswar dieses im Allgemeinen der Charakter der Kriege und des Methodis-mus in der Art der Führung des Krieges, der nicht im Geringsten demGeiste, Zwecke und der Bestimmung desselben entsprach.
Als Ausnahme hiervon steht die Handlungsweise nur einigerFeldherren da, wie Montecuculi, Turenne, Prinz Eugen von Savoyen,Marlborough, Vendöme und Villars, die sich vor der aller übrigen durchKühnheit, Entschlossenheit, Raschheit oder Kunst auszeichnet. DieUrsachen dieses so ins Auge fallenden Unterschiedes, sowie ihres unbe-streitbaren Verdienstes und ihrer Geschicklichkeit liegen in den persön-lichen Eigenschaften genannter Feldherren. Nach alle dem konnten auchsie, in ihren Handlungen durch den Einfluss ihrer Regierungen wiealler oben angeführten Verhältnisse gehemmt, sich, gleich Gustav Adolph,nicht über die falschen Begriffe und Vorurtheile ihres Zeitalters erhebenund der Kunst die wahre und richtige Richtung geben.