38 II. Die Kriege am Ende des 1". und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
Feldherren dieser Zeit verstanden es, die Oertlickkeit zu benutzen und siekünstlich zu befestigen, wogegen mittelmässige Feldherren, die es nichtverstanden, entsprechende Oertlichkeiten zu wählen und sich der vonihnen gebotenen Vortheile zu bedienen, ihre Zuflucht zu künstlichen Be-festigungen nahmen, indem sie ihre Positionen und die Lager ihrer Heerestark befestigten, desgleichen einzelne Punkte, die sie mit Detachementsbesetzten. Die Leidenschaft, sich durch natürliche und besonders durchkünstliche Hindernisse zu decken, verbreitete sich so sehr, dass manweite Landstrecken, ganze Provinzen und die Grenzen der Reiche da-durch zu decken suchte, dass man die Heere entweder hinter natürlichenHindernissen (Flüssen, Bergrücken, Waldketten, Sümpfen u. s. w.) oderhinter ununterbrochenen befestigten Linien aufstellte, oder hinter diesenund jenen zugleich. (Siehe §. 7.)
Heere oder Detachements, die hinter natürlichen Hindernissen aufge-stellt waren, anzugreifen, die letztern zu durchbrechen, besonders be-festigte Linien, oder sie gar zu nehmen, wurde als etwas Kühnes,Schweres, fast Unmögliches und zudem Unnützes angesehen, da man jadie hinter ihnen aufgestellten Truppen durch Operationen gegen ihreCommunicationen oder durch Manöver zum Bückzuge nöthigen konnte.
§.14.Die Langsamkeit und Unentsehiedenheit der Operationen, die Be-deutungslosigkeit ihrer Zwecke und ihrer Resultate.
Alle oben angeführten Umstände waren die Ursache der äusserstlangsamen und unentschlossenen Operationen der Heere, wie der Be-deutungslosigkeit , ja Nichtigkeit der durch sie erlangten Resultate, un-geachtet die Kriege jener Zeit in Folge äusserst wichtiger politischerZwecke geführt wurden. War das Ziel eines Feldzuges, eine oder meh-rere Festungen zu erobern, so wurde ein Theil des Heeres zu ihrer Be-lagerung verwendet, während der andere, um ihn zu decken, manövrirteoder hinter natürlichen und künstlichen Hindernissen Stellung nahm.War der Zweck des Feldzuges, den Gegner zum Rückzüge zu zwingen,so manövrirten beide Theile, sich gegenseitig die Communicationen be-drohend oder unmittelbar gegen sie agirend. Oft nahm das Heer ineinem befestigten Lager seine Stellung, während das andere es beobach-tete. Noch öfter zersplitterten beide ihre Streitkräfte, um wichtige undin taktischer Hinsicht starke Positionen zu besetzen und den kleinen Kriegzu führen, in der Voraussetzung, dass die Vereinigung der in einzelnenGefechten und Scharmützeln erlangten Erfolge sich einem in einer ent-scheidenden Schlacht erkämpften Siege vergleichen könne. Im Allge-meinen und in allen Fällen blieben die Heere, so zu sagen, in beständigerUnthätigkeit, wenn man das Wort Unthätigkeit in dem Sinne nimmt, dass