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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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36 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

der Bedrohung der eigenen Communication zurückzuhalten. Unter-dessen erforderten die Belagerungen grosse Vorbereitungen und einenbedeutenden Aufwand an Kräften und Mitteln. Die Belagerungen ver-ursachten ungemeine Unkosten, Mühen und Verluste an Leuten; Zeitwurde ihretwegen gewöhnlich sehr viel verschwendet und die belagerteFestung mehr oder weniger zerstört, während die Umgegend derselbenfast in eine Wüste verwandelt wurde. Nach der Einnahme der halb-zerstörten Festung erhielt die Garnison gewöhnlich freien Abzug undvereinigte sich mit ihrer Armee, während neue Kosten erforderlichwurden, die eroberte Festung wieder in Stand zu bringen, sowie eineGarnison zu ihrer Besatzung, die das active Heer verringerte. DieEroberung einer feindlichen Festung, wenn dadurch auch die oben er-wähnten Vortheile erlangt wurden, verursachte dennoch dem Eroberermehr Schaden, als dem sie Verlierenden Verlust. Je mehr Festungenerobert wurden, desto grösser waren auch die Verluste.

§ 11-Der Kampf.

Durch den Zustand des damaligen Feuergewehres, die Unfähigkeitder Heere, den geschlagenen Feind rasch und anhaltend zu verfolgen,sowie in Folge einer falschen Nachahmung Gustav Adolph's wurdendie Schlachten immer weniger entscheidend als früher, und indem sie(nach den Begriffen der damaligen Zeit) nur noch dazu dienten, demFeinde, indem man sich selbst bedeutend schwächte, einen Verlust bei-zubringen , verloren sie immer mehr an Bedeutung, was endlich so weitging, dass man sie für eine nutzlose Leuteverschwendung, ja selbst fürein Versehen hielt, sogar in dem Falle, wo sie mit Erfolg gekrönt waren.Selten (siehe oben §. 5) und dann auch meistens nur zufällig, kam eszu Schlachten, die dann einzig mit dem taktischen Ziele, dem Feindeeinen Verlust beizubringen, geliefert, keine wichtigen und entscheidendenErfolge hatten, mit Ausnahme dreier Schlachten: bei Höchstädt 1704,bei Turin und Ramillies 1706, deren siegreicher Ausgang dem spanischenErbfolgekriege eine ganz andere Wendung gab. Von den eben genann-ten drei Schlachten war nur die bei Turin geschlagene keine zufällige,sondern eine vorher durchdachte und gut combinirte, in der die Siegerden Sieg und seine so wichtigen Folgen eben so sehr den eben erwähntenCombinationen als ihren taktischen Leistungen verdankten. Die Erfolgeder beiden anderen Schlachten waren theils durch die taktischen Lei-stungen , theils durch Zufall erlangt. Diese Thatsache ist besonders be-merkenswerth: sie beweist klar und eindringlich, wie falsch der einge-wurzelte Begriff von der Bedeutungslosigkeit der Schlachten war.