28 II. Die Kriege am Ende des 1". und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
Verpflegung sorgten, erlangten sie bedeutenden Einfluss auf ihre Ver-waltung, ihre Operationen und die Führung des Krieges im Allge-meinen. Die Anführung der Heere vertrauten sie Feldherren und leitetenso (insbesondere die französische in der Person Ludwig's XIV. und seinesMinisters Louvois, die österreichische durch den Oberhofkriegsrafh unddie holländische durch Commissäre) oft, ohne selbst Kenntnisse derKriegskunst zu besitzen, nur aus der Ferne die Armee und den Krieg,gaben von der Hauptstadt aus den Feldherren genaue und bestimmteInstructionen, deren pünktliche Befolgung sie verlangten, ohne Rücksichtauf die Veränderung der Umstände zu nehmen. In wichtigen und un-vorhergesehenen Fällen hatten die Feldherren nicht das Recht, etwas zuunternehmen, ohne vorher hierzu die Genehmigung der Regierung zuerlangen, die sie oft erst dann erhielten, wenn der zum Handeln günstigeAugenblick dahin war. Hierzu muss noch gerechnet werden, dass dieKriege jener Periode meistens durch Bündnisse (Coalitionen) geführtwurden, weshalb in Folge der Verschiedenheit des zu verfolgendenZweckes oder eigennütziger Absichten derjenigen Staaten, die Theil amBündnisse nahmen, es an Einheit der Gewalt, Einigkeit und Begeisterungin den Heeren und Uebereinstimmung der Leitung des Krieges und derOperationen fehlen musste. Ja selbst in den Heeren ein und desselbenStaates war es die Menge höherer Militär-Chargen, die Unbestimmtheitder Anciennetät und ihre gegenseitigen Beziehungen, die den Oberfeld-herrn in seinen Handlungen beschränkten.
Hinsichtlich der Disciplin und des kriegerischen Geistes standendie Heere dieser Periode schon unvergleichlich höher als ehemals.Besondere Sorgfalt verwendeten die Regierungen auf die Aufrechthal-tung einer strengen Disciplin, der Ordnung und Sittlichkeit sowie aufdie Regelung des Dienstes. Zu diesem Behuf wurden in allen Staatenbesondere Gesetze und Reglements erlassen, die mit grosser Pünktlich-keit und Strenge befolgt wurden und mehr oder weniger ihren Zweckerreichten (besonders in Schweden, Preussen und einigen deutschenStaaten). In Frankreich hingegen wollte es nicht vollkommen gelingen,den Unordnungen und Verwirrungen, sowohl unter den Soldaten alsunter den Befehlshabern, zu steuern. Einer der bedeutendsten Miss-bräuche im französischen Heere war der, dass vornehme und reiche Edel-leute schon in der Jugend entweder für Geld oder durch Protectionhöhere Grade im Heere erlangten, ohne auch nur im Geringsten sich umden Dienst zu kümmern. Hierdurch verfiel gegen Ende dieses Zeit-abschnitts nicht nur die Disciplin des französischen Heeres, sondern auchder Geist desselben. Die Sittenlosigkeit der Befehlshaber, ihr Luxusund ihre Verschwendungssucht, sowie die sich oft wiederholende Nicht-auszahlung des Soldes führte, wie im französischen Heere. so auch in