1. Kurze Uebersicht des Zustandes der Kriegskunst. 27
durch die Heere besetzten Lande. (In den Kriegen der Oesterreicher mitder Türkei bediente man sich vorzüglich der Ochsen.)
Ausser dem aus Magazinen und Bäckereien den Heeren zugestelltenProviante hatte dasselbe noch einen dreitägigen Vorrath, den die Sol-daten selbst trugen. Kleine Detachements buken ihr Brod in denStädten, und ganz kleine wurden von den Einwohnern beköstigt.
Hieraus ersieht man, dass die vollkommene Sicherung der Verpro-viantirung der Heere und mit ihr, nach der damals allgemeinen Ueber-zeugnng, auch das Gelingen ihrer Operationen von folgenden Umständenabhingen: l)von den unumgänglichen Geldmitteln zum Ankauf der nöthi-gen Vorräthe für das Hauptmagazin, 2) davon, dass die Oertlichkeit zwi-schen dem Heere und seinen Magazinen und Bäckereien zum Transport derProviantcolonnen geeignet war, 3) von der genügenden Anzahl und derTauglichkeit der zum Proviantführen nöthigen Wagen, Pferde, Ochsenu. s. w. und 4) von der ununterbrochenen Zufuhr des Mehles in dieMagazine und Bäckereien und der des Brodes aus den letzteren zu denHeeren. War das Heer sicher, bei der Ankunft am Orte seiner Be-stimmung das ihm nöthige Mehl vorzufinden, so konnte es, mit Brod ver-sorgt, bis auf 15 Tagemärsche vorrücken. Da aber hierauf nie mitSicherheit zu rechnen war, so konnte das Heer, selbst beim Zusammen-treffen aller eben angeführten Bedingungen, aus Besorgniss, Mangel anProviant zu leiden, sich von seinen Bäckereien nie mehr als auf zweiMärsche entfernen und von den Magazinen nur auf fünf. Hatte dasHeer diese Grenze erreicht, so konnte es an ein weiteres Vorrücken nichtdenken, ehe es am Orte, wo es sich befand, und vornehmlich inFestungen,neue Magazine,. Bäckereien n. s. w. errichtete. Augenscheinlich ist es,dass diese Art der Verproviantirung der Heere, alle ihre Operationenbedingend, einerseits zwar alle Vortheile der Regelmässigkeit bot, ander-seits aber die Heere und ihre Führer in vollkommene Abhängigkeit vonihren Magazinen brachte, dadurch ihre Operationen beengte und die Ur-sache grenzenloser Langsamkeit, sowie auch der Schwerfälligkeit desHeeres selbst wurde.
Wenn auch seit der Errichtung stehender Heere die Regierungenmehr für die Pflege der kranken und verwundeten Krieger, wie fürdie Erhaltung der Gesundheit in den Heeren besorgt waren, so erhieltdas medicinische Fach derselben eine geregelte Ausbildung erst im An-fange des 18. Jahrhunderts. Die Heere erhielten Feld-Apothekenund Krankenwagen, sowie Aerzte und Chirurgen u. s.w. Das fran-zösische Heer zeichnete sich durch die beste Einrichtung der medicini-schenFächer, wie durch menschenfreundliche Behandlung seiner eigenen,ja auch gefangener kranker und verwundeter Krieger aus.
Seitdem die Regierungen stehende Heere unterhielten und für deren