26 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
.Staaten folgten diesem Beispiele nicht, und nach Turenne wurden selbstin Frankreich die Brigaden wieder aufgehoben, da sie wegen derSchwäche der Regimenter ihrem Zwecke nicht mehr entsprachen.
Mit der Errichtung stehender und geregelter Heere übernahmen auchdie Regierungen ihren Unterhalt, der in Folge ihrer numerischen Stärke,ihrer mangelhaften innern Verwaltung und Wirthschaft grossen Kosten-aufwand erforderte. Dieser Aufwand war in Kriegszeiten oft so be-deutend, dass die Staaten in Folge der gänzlichen Erschöpfung ihrerFinanzen gezwungen waren, Frieden zu schliessen, ehe sie den erstrebtenZweck erreicht hatten.
Einer der wichtigsten Punkte des Unterhalts der Heere bestand zudieser Zeit in der Art ihrer Verproviantirung, die ganz neu und voll-kommen verschieden von der früheren war und einen bedeutenden Ein-fluss auf die Kriegführung übte. Sie bestand darin, dass man GustavAdolph nachahmte, und basirte auf einer falschen Erklärung der Ur-sachen der von ihm erlangten Erfolge. (Siehe unten §. 9.1
Wie Gustav Adolph es gethan, begannen die Heere sich aus Maga-zinen zu verproviantiren , und thaten alles Mögliche, diese Verprovian-tirungsart zu sichern, die in dieser Periode die umfangreichste Ent-wickelung und Anwendung erhielt, besonders bei den Franzosen und inden Niederlanden. Sie bestand in Folgendem:
Die Armeen erhielten Proviant und Fourage durch Zufuhr aus demHauptmagazin, welches sich im Rücken des Heeres und zwar in irgendeiner Festung befand, und das mit Vorräthen theils durch Lieferanten,theils durch Zufuhr zu Wasser oder durch Ankäufe versorgt wurde. DasMehl wurde zu Brod gebacken und zwar beim Magazin selbst, wenn Ge-fahr drohte: im entgegengesetzten Falle aber in einer Entfernung vondrei Tagemärschen von demselben in besonderen, mobilen Feldbäckereien.Im ersten Falle schickte das Hauptmagazin der Armee für sechs Tagegebackenes Brod und Fourage, im letzteren schickte es für neun TageMehl in die Bäckereien, die schon von sich aus das Heer für sechs Tagemit Brod versahen. Zum Anführen des Proviants und der Fourage be-fanden sich bei jeder Heeresabtheilung Fuhren und zwar in solch einerAnzahl, dass sie einen dreitägigen Vorrath fassen konnten, und ausser-dem befand sich bei der Armee noch ein Viertel aller Fuhren als Reserve.Ein Drittel aller Fuhren befand sich, mit Proviant gefüllt, bei denHeeren, das andere Drittel auf dem Wege zu den Bäckereien, um ausihnen neue Vorräthe zu holen, und das dritte führte entweder aus denMagazinen Mehl in die Bäckereien, oder aus ihnen Brod dem Heere zu.
Die Pferde und Fuhrleute zu den Mehl, Brod und Fourage führen-den Wagen wurden, besonders in Frankreich und Holland, von Privat-unternehmern gestellt, bisweilen aber auch contractmässig von dem