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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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24 H. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Evolutionen erschwerten es dem Feldherrn, sie im Kampfe zu leiten; jezahlreicher eine Armee war, desto mehr Stoff zu ihrer Auflösung enthieltsie in sich, und desto weniger war sie geeignet, selbst die einfachstenBewegungen und Evolutionen auszuführen. Taugten die französischenArmeen wenig zum Manövriren, so war dieses bei den Deutschen nochmehr der Fall. Im Kampfe währte die Ordnung der Heere nur so lange,als sie sich nicht von der Stelle rührten, sobald sie aber in Bewegunggesetzt wurden oder ihre Stellungen ändern mussten, so war das Miss-lingen gewiss (Prinz von Baden bei Peterwardein).

Zu Schlachten kam es selten, und dann auch nicht in Folge vorherdurchdachter Pläne mit einem bestimmten, richtigen Ziele im Auge, son-dern durch zufällige Zusammenstösse zweier feindlichen Heere. Ausdiesem Grunde konnte nur bei ganz besonders günstigen Umständen derSieg entscheidende Folgen haben (Höchstädt, Eamillies, Turin). Frontal-und Parallel-Angriffe wurden fast immer, selten Flanken - Angriffe undgewöhnlich nur zufällig gemacht. Einige Feldherren, besonders jedochTurenne, bedienten sich absichtlich der Flanken-Angriffe. Die Infanterieund Keiterei operirten in der Schlacht, wie schon früher gesagt, indeployirten Linien. Bisweilen wurde die Keiterei auch in Massen ver-wandt, wodurch, ungeachtet ihrer mangelhaften Art zu operiren, bis-weilen ziemlich bedeutende Erfolge erzielt wurden (Höchstädt). DieEngländer zeichneten sich besonders dadurch aus, dass sie die Operationender Keiterei und Infanterie zu vereinigen suchten. Die den Feind an-greifende Keiterei drängte ihn gegen die Infanterie, die, zum Schussebereit, durch ein wohlgezieltes, heftiges Flintenfeuer ihm in den meistenFällen eine vollkommene Niederlage beibrachte (Höchstädt). Der Siegerblieb auf dem Schlachtfelde und verfolgte die Besiegten nur durch kleineReiter - Abtheilungen, und auch das nur auf kurze Strecken. Den Be-siegten zu verfolgen wurde gewissermassen als Fehler betrachtet, indemes Regel war, dem Rückzüge kein Hinderniss in den Weg zu legen, son-dern ihn wo möglich zu begünstigen. Der Vorpostendienst erlangte zudieser Zeit seine erste Entwickelung und eine grosse Bedeutung; erwurde als die beste Schule des Krieges angesehen, dessen ungeachtetjedoch sehr mangelhaft und ungeschickt betrieben. Der kleine Kriegwurde mit dem meisten Erfolge im österreichischen Heere durch dieKroaten, in den Savoyer Alpen durch die Barbets, in den Pyrenäen undin Spanien durch die Miquelets betrieben. In Frankreich und den übri-gen Staaten wurde der Vorpostendienst durch leichte Reiterei undirreguläre Husaren versehen, die zuweilen auch als Parteigänger ver-wendet wurden, deren Leistungen jedoch sehr gering waren.