1. Kurze Uebersicht des Zustandes der Kriegskunst. 23
erschwerten und verzögerten die Bewegungen der Heere. Um aus derMarsch- in die Schlachtordnung zu treten, dehnten sich die Colonnen inder Richtung der letzteren aus, um durch Schwenkung der einzelnenZüge Fronte zu bilden. Bildete der rechte Flügel die Tete der Colonne,so war dieses Manöver mit weniger Schwierigkeiten verknüpft, als beiMärschen mit dem linken Flügel als Tete. In beiden Fällen war es un-umgänglich nöthig, der Infanterie, Reiterei und Artillerie, einer jedenColonne ihre Stellung in den verschiedenen Theilen der Schlachtordnunganzuweisen. Derartige Veränderungen der Aufstellung der Heere konntennur dann gefahrlos und ungehindert ausgeführt werden, wenn beideGegner auf dieselbe Weise manövrirten; in den Türkenkriegen hingegenwar dieses äusserst gefährlich, weshalb auch ihnen gegenüber dieösterreichischen Heere während des Marsches grosse Carres bildeten, inderen Mitte sich die Reiterei und der Train befand.
Während des Marsches bezogen die Heere zur Nacht nicht mehr be-festigte Lager, sondern vortheilhafte Positionen, die bisweilen künstlichbefestigt wurden, und nur gegen die Türken umgab man sich von allenSeiten mit Befestigungen, Verhauen, spanischen Reitern, Wagenburgenu. dgl. m. Anstatt der Baracken kamen Zelte in Gebrauch. In denLagern wurde eine der Schlachtordnung ähnliche Stellung genommen,die Zelte der Infanterie und Reiterei wurden compagnienweise aufge-schlagen, mit Compagnie - Strassen zwischen ihnen; vor denselben be-fanden sich die Waffenpyramiden und Wachen, hinter ihnen dieOfficiers-zelte, Küchen u. dgl. Bei Aufstellung der Heere zum Kampfe nahmman keine Rücksicht weder auf die Ortslage, noch auf die Verhältnisse,sondern hielt sich an die einmal angenommene Schlachtordnung, in derimmer die Infanterie das Centrum, die Reiterei die Flügel bildete. DieSchlachtlinien wurden schachbrettförmig gestellt, in der Art wie dieLegionen desMarius, 450 Schritte eine von der andern, und die Batailloneund Escadronen derselben in Bataillons- und Escadrons-Intervallen.Die Artillerie vertheilte sich auf der ganzen Linie, Infanterie und Reitereibildeten in der Schlachtordnung lange, deployirte Linien. GeschicktereFeldherren, wenn sie sich auch im Allgemeinen an die einmal ange-nommenen Formen der Bewegungen und Aufstellung der Heere hielten,suchten dieselben mit der Ortslage und den Verhältnissen zu vereinbaren(Turenne bei Sinzheim, Luxembourg bei Fleurus, Prinz Oranien beiSteenkerke, Prinz Ludwig von Baden bei Peterwardein u. s. w.). Inden Schlachten gegen die Türken stellten sich die Oesterreicher in Carresauf, die durch Artillerie und spanische Reiter gedeckt wurden, (Herzogvon Lothringen 1687 bei Essek). Die Zerstückelung der Heere (dieBrigade war die bedeutendste Unterabtheilungi, die Unvollkommenheit,die Langsamkeit und die Ordnungslosigkeit in ihren Bewegungen und