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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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22 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

über die Speier; Marschall Villars 1712 bei Denain, wo er mit 40 inColonuen formirten Bataillonen den Feind mit dem Bajonnett angriff)wurden ungeachtet ihres glänzenden Erfolges als Abweichung von derallgemeinen Regel und als bedeutende Missgriffe betrachtet.

Sowohl Reiterei (mit Ausnahme der schwedischen) als Infanterieglaubten durch geregeltes und ungeregeltes Schiessen am sichersten denSieg zu erlangen. Dieser falsche Begriff von dem Geiste und der Be-stimmung der Reiterei hatte so tiefe Wurzel gefasst, dass selbst diebesten Generäle jener Zeit es als eine Notwendigkeit betrachteten, dieReiterei sich mit dem Feinde herumschiessen oder sie wenigstens vordem Angriffe eine oder mehrere Salven geben zu lassen. Dieses warder Grund, weshalb die Reiterei sich nicht vervollkommnete, sondernden entgegengesetzten Weg ging. In den europäischen Kriegen, indenen beide Gegner auf gleiche Art kämpften, konnte das Schiessen derReiterei keinen wesentlichen Einfluss auf den Gang und die Ent-wickclung des Gefechtes haben, wogegen aber in den Kriegen derOesterreicher mit den Türken, in denen letztere ohne zu schiessen sichungestüm mit der kalten Waffe auf den Feind warfen, die Kampfart derersteren die verderblichsten Folgen für sie hatte. Wenn auch die Rei-terei zuweilen mit der kalten Waffe angriff, so geschah es in kurzemTrabe, wodurch der Zusammenstoss weder die gehörige Kraft nochWirksamkeit haben konnte. Die Dragoner mussten oft absitzen, um ge-meinschaftlich mit der Infanterie in derselben Schlachtlinie zu kämpfen.Im Verlauf dieser ganzen Periode hielt man im Allgemeinen die Dragonerfür reitendes Fussvolk.

Auf eben so falschen Grundlagen beruhte die Aufstellung ganzerArmeen, ihre Marschordnung und ihre Art zu kämpfen. Als allgemeineRegel galt es , die Heere in drei, fünf, ja mehr Colonnen sich bewegenzu lassen, von denen die mittelste aus der Artillerie und dem Train be-stand, die ihr sich zunächst befindende aus derlnfanterie und die äussersteFlügel-Colonne aus der Reiterei; dann bildeten Infanterie, Reiterei undArtillerie mit dem Train jede eine besondere Colonne, oder endlich dieTruppen des rechten Flügels oder der ersten Linie folgten auf der einen,die des linken oder der zweiten Linie auf der anderen Seite der mittlerenArtillerie-Colonne. Die Colonnen marschirten in Zügen, aufDistanceeines Zuges. Die Breite (1824 Schritt bei der Infanterie) und die über-mässige Tiefe dieser Art Colonnen erschwerte dieBewegungen derHeere.Diese Marschordnung erforderte die Anlage besonderer Colonnen-Wege,die, um den Feind über die eigentliche Richtung des Marsches zutäuschen, in verschiedenen Richtungen und in grosser Anzahl an-gelegt wurden, was viele Mühe und grossen Zeitaufwand erforderte.Sich während des Marsches wiederholende Veränderungen der Flügel