1. Kurze Uebersicht des Zustandes der Kriegskunst. 21
§.5.Die Aufstellung der Heere und die Operationsart.
Nach Beendigung des dreissigj ährigen Krieges wurde die Infanterienoch immer in acht Gliedern aufgestellt, wobei die Lanzenträger dasCentrum, die Musketiere die Flügel bildeten. Der durch die Vervoll-kommnung der Flinte und des Schiessens aus derselben erweckte Wunsch,dem Feuer der Infanterie eine grössere Wirksamkeit zu geben, war dieUrsache, dass man von der tiefen Aufstellung allmälig zu einer flachenüberging. Turenne verringerte die Tiefe bis auf sechs Glieder, nochspäter begann die Infanterie sich in vier, drei, ja sogar in zwei Gliedernaufzustellen, und gegen das Ende dieser Periode geschah dies auf jedemTerrain in flachen, deployirten Linien. Die preussische Infanterie unterFriedrich Wilhelm I. stellte sich schon immer in drei Gliedern auf. MitErrichtung der Grenadiere bildeten die Compagnien derselben stets dieFlügel der Bataillone. Im Zustande der Buhe, wie beim Marsche,befanden sich die Glieder vier Schritte von einander entfernt, zum Feuernschlössen sie sich und zum Angriff mit der kalten Waffe doublirten sie.Gegen das Ende des 17. Jahrhunderts formirte sich die Infanterienicht selten in Carres, die das Ansehen von Bastionen, Zangenschanzenu. dgl. hatten, und in den Türkenkriegen stellte die österreichischeInfanterie spanische Eeiter vor sich auf.
Die Keiterei aller Staaten formirte sich wie bei den Schweden indrei Gliedern, wobei das dritte Glied nicht selten dazu bestimmt wurde,sich als Flanqueurs zu zerstreuen oder während des Angriffs der beidenvorderen die beiden feindlichen Flügel zu umzingeln. Die Escadronenwurden in Escadrons - Intervallen (50—80 Schritt) von einander aufge-stellt. Um die Fronte zu verlängern, stellten, zu Anfang des 18.Jahrhunderts, die Franzosen ihre Keiterei in zwei Gliedern auf, was zu-weilen von ihren Gegnern nachgeahmt wurde. Die Evolutionen derKeiterei waren bedeutend einfacher als die der Infanterie und bestandennur im Doubliren und in Schwenkungen sowohl kleinerer Abtheilungenals auch ganzer Escadronen, was in allen Heeren in kurzem Trabe, indem schwedischen hingegen mit ausserordentlicher Schnelligkeit voll-führt wurde.
Seitdem die Infanterie in deployirten Linien aufgestellt wurde, dachteman nur daran, die Wirksamkeit des Flintenfeuers zu verstärken. Alsbestes und ausschliesslichstes Mittel, dem Feinde eine Niederlage beizu-bringen , betrachtete man das Schiessen aus der Fronte und in seltenenFällen ein nicht lange anhaltendes Vorrücken derselben. Die Infanterieverlor ihre beim Angriff mit der kalten Waffe so nöthige Manövrirfähig-keit, ja derartige zufällige Angriffe (Marschall Tallard 1703 beimUebergang