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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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20 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Theiles der Artillerie bei, dass die Officiere sich in den Arsenalen be-schäftigten, wie auch der Umstand, dass Ludwig XIV. Artillerie-Schulenfür Officiere und Gemeine gründete. Endlich wurde im Jahre 1732 durchGeneral Valliere in Frankreich die erste gründliche und systematischeUmgestaltung des materiellen Theiles der Artillerie durchgeführt, inFolge deren durch besondere Vorschriften die Kaliber und Grössenmaasseder Geschütze, wie die Einrichtung der Lafetten und Wagen u. dgl. be-stimmt wurden.

Die Vervollkommnung des eigentlichen Wesens der Artillerie bestandin der Einführung der leichten Regiments-Geschütze nach schwedischemMuster (vor allen in Frankreich und dann bedeutend später in Deutsch-land) und in derFormirungder ersten Artillerie-Compagnien und Regimen-ter (wiederum zuerst in Frankreich durch Ludwig XIV. (1668) und daraufin Preussen, Oesterreich, Sachsen und den anderen Staaten). Schon 1G95bildete die französische Artillerie ein aus 6 Bataillonen bestehendes Re-giment, in dem jedes Bataillon aus Kanonier-, Füsilier-und Arbeiter-Com-pagnien bestand. Die Bedienung der leichten Geschütze bestand aus 6, dieder schweren aus 12Mann. Die brandenburgische Artillerie bestand 1698aus 10 Compagnien und die österreichische und sächsische eine jede auseinem Bataillon von 6 Compagnien. Die Bedienungsmannschaft indiesen Staaten bestand aus 2 Mann fürs Geschütz; die übrigen Leutewurden der Infanterie entlehnt. Zur Bedienung der Mörser errichteteLudwig XIV. zwei Bombardier - Compagnien, aus denen 1684 und 1706zwei Bombardier-Regimenter formirt wurden. Die Bedienungsmann-schaft der Artillerie war immer zu Fuss, während die Geschütze und derTrain durch contractmässig gemiethete Pferde gezogen wurden. Währendeines Gefechts wurden die Pferde zurückgeschickt und verblieben unterdem Schutze einer Bedeckung. Die Regimentsgeschütze blieben immerbei ihren Regimentern, während die übrige Artillerie in Batterien ge-theilt wurde.

Aus langen, schweren und unbehülflichen Kanonen bestehend, oderaus Regiments - und leichten Geschützen, die weder eine grosse Trag-weite, noch eine bedeutende Kraft besassen, war die Artillerie ungeachtetaller eben angeführten Verbesserungen noch weit entfernt von ihrergegenwärtigen praktischen Bestimmung und Vollkommenheit.

Ihre Hauptmängel bestanden in ihrer Schwere undUnbehülflichkeit,wie auch in der Langsamkeit des Feuerns. Einer ihrer wichtigstenMängel lag auch darin, dass die Artillerie nur in kleinen Abtheilungenlängs der ganzen Schlachtlinie aufgestellt wurde, sowie in der Be-nützung derselben Geschütze, ohne Unterschied, sowohl im Felde, alsbei Belagerungen und Vertheidigungen von Festungen.