1. Kurze Uebersicht des Zustandes der Kriegskunst. 17
Flinte vervollkommnet. Das Bajonnet wurde in Frankreich , in Bayonne(davon die Benennung hayonnette) in der Mitte des 18. Jahrhundertserfunden, doch kam es erst gegen Ende desselben, anfangs in Deutsch-land, darauf in den übrigen Staaten und ganz zuletzt 1703) in Frank-reich in Gebrauch. Die Einführung der Bajonnette, der Flintenschlössermit Feuersteinen, sowie der eisernen Ladstöcke und ihre sonstige sichallmälig bildende Vervollkommnung (im Anfange des 18. Jahrhunderts)machte die Flinte zur zweckmässigsten sowohl Schuss-als Handgemengs-waffe der Infanterie. Die Pike, die nun immer nutzloser wurde, kamzuletzt, gleich der Schutzwaffe der Infanterie, ganz ausser Gebrauch,wenngleich sie noch immer viele eifrige Anhänger besass (besondersFolard). Im Laufe der Zeit bekam die Bewaffnung der europäischenInfanterie ein gleichförmiges Ansehen durch Flinten mit Bajonnetts undSäbel. Die Folge hievon war die Gleichartigkeit der Bestandtheile derInfanterie, die nun nicht mehr in schwere und leichte getheilt wurde,weshalb auch von den früheren Musketieren und Füsilieren nur nochdie Benennungen übrig blieben. Begelmässig formirte leichte Infanteriegab es nur sehr wenig, in Frankreich unter dem Namen Freicompag-nien [eompagnies franches) , in Deutschland Jäger oder Schützen ge-nannt. Die beste und zahlreichste, wenn auch irreguläre leichte Infan-terie bildeten die Panduren im österreichischen Heere, welche, ausreitenden Kroaten und Husaren inFussvolk verwandelt, als leichte In-fanterie ausgezeichnete Dienste leisteten. In Frankreich wurden imJahre 1671 Grenadier-Compagnien [eompagnies des grenadiers) gebildet,die dazu bestimmt waren, bei Festungsbelagerungen Handgranaten zuwerfen. Im Jahre 1672 begann man jedem Regimente und 1690 jedemBataillone eine Compagnie Grenadiere beizugeben. Noch später wurdenGrenadier-Regimenter formirt, die man vor der übrigen Infanterie durchKleidung und höheren Sold auszeichnete, und deren man sich alsauserwählter Infanterie bediente. Die Compagnie blieb wie früher dietaktische Einheit der Infanterie, doch die Stärke der Compagnien undRegimenter blieb nicht immer dieselbe und veränderte sich oft. InDeutschland waren die Compagnien im Allgemeinen stärker als in Frank-reich. In letzterem Lande zählten die Compagnien gegen das Ende des17. Jahrhunderts 70—80 Mann und im Anfange des 18. nicht mehrals 50—60 Mann, wogegen sie im brandenburgischen Heere aus 145und im österreichischen aus 150—300 Mann bestanden. Das Ba-taillon bestand in Frankreich anfangs aus 17 , später aus 13, ja nur 12Compagnien und in Brandenburg nur aus 5 Compagnien (725 Mann).In Frankreich hatten die Regimenter meistens nur ein Bataillon von 12bis 17 Compagnien, in Brandenburg, Sachsen und anderen deutschenLändern zwei Bataillone und in Oesterreich 10—16 Compagnien (1500
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 2. 2