16 I- Die Kriege am Ende des 17. und zu Anfang des IS. Jahrhunderts.
in Bezug auf das Heerwesen die erste Stelle ein. Beim Antritt seinerRegierung besass er ein stehendes, nach den Regeln der Kriegskunstgeschultes Heer von 2000 Mann Infanterie und 200 Mann Kavallerie.Im Jahre 1672'aber war er schon im Stande, ein wohl eingerichtetesHilfsheer von 20,000 Mann nach Holland zu schicken und bald daraufein eben solches, 16,000 Mann stark, zum kaiserlichen Heere stossen zulassen. Unter König Friedrich Wilhelm I. (1733) wurde eine Einrichtungbesonderer Art, die Cantonverfassung ins Leben gerufen, der zufolge dasganze Königreich in Militärbezirke (Cantons) getheilt wurde, von deneneinem jeden Regimente zu seiner Rekrutirung einer angewiesen wurde.Die Heere rekrutirten sich, wie ehemals, durch Werbungen, nur mitdem Unterschiede, dass die auf diese Weise rekrutirten Heere von denRegierungen vollkommen abhängig wurden und von ihnen ihre Befehls-haber erhielten; theilweise aber auch durchs Loos (Conscription). Dieletztere Art der Rekrutirung gewann in der Folge, besonders in Frank-reich, allmälig immer mehr an Ausdehnung, so dass in Schweden,Dänemark und Frankreich zu Kriegszeiten der zehnte, achte, ja sogarder fünfte Mann ausgehoben wurde. Hiebei war in Frankreich jedeGemeinde verpflichtet, den von ihr gestellten Rekruten zu bekleiden undzu bewaffnen. Nach Beendigung des Krieges wurde ein Theil desHeeres entlassen; so z. B. entliess Frankreich nach dem RyswikerFrieden 25,000 Mann.
Ausser den durch Werbungen und Conscriptionen gebildeten Heerenunterhielten die Staaten bisweilen noch Miethstruppen. In Frankreichunterhielt man wie ehemals gemiethete Schweizer-Infanterie, und dieArmeen der niederländischen Generalstaaten bestanden fast ausschliess-lich aus Miethstruppen.
Die Dienstzeit war sehr verschieden, und nirgends war sie noch aufeine bestimmte Weise festgesetzt.
§.2.
Taktische Einrichtung der Heere im Allgemeinen und der Infanterie
insbesondere.
In dieser Periode erfuhr die taktische Einrichtung der Heere bedeu-tende und wichtige Veränderungen und theilweise Vervollkommnungen,wenngleich diese auch oft auf falschem und verkehrtem Wege erreichtwurden. Wie in der vorhergehenden Periode das schwedische, so wares in dieser das französische Heer, in welchem hauptsächlich und früherals in den übrigen Armeen Aenderungen und Verbesserungen einge-führt wurden.
Was die Infanterie besonders betrifft, so wurde ihre Bewaffnungdurch die allmälige Einführung der mitBajonnet undSchloss versehenen