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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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12. Die bemerkcnswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 285

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IV. Kriege und Züge der Mongolen unter Dschingis-Khan unddessen Nachfolgern.

§.93.Kriege Dsehingis-Khan's bis zu seinem Zuge nach China (1211).

Die Mongolen, welche den Stainmes-Aul von Temudschin's, desspäteren Dsehingis-Khan's, Vater bildeten, nomadisirten zu dessenZeit an den oberen Läufen der Flüsse Tolo, Kerulün und Onon und derenZuflüssen (nördlich von China). Das von diesen Flüssen durchströmteGelände ward von dem grossen Chinggan-Gebirge und dessen Zweigendurchzogen. Die von diesen Bergen eingeschlossenen Thäler enthieltenWeideland und Süsswasser, sodass es möglich war, viel Vieh, namentlichPferde, zu unterhalten, das Hauptmittel zur Kriegführung für die No-maden-Völker ; die Abhänge der Gebirge waren mit Wald bedeckt. DieseBeschaffenheit des Landes machte dasselbe geeignet für einen hartnäcki-gen defensiven Gebirgskrieg.. Das rauhe, aber gesunde Klima und dieumherziehende Lebensweise festigte die Gesundheit der Nomaden undmachte sie fähig zum Ertragen des Wechsels in Klima und Witterungwie der Beschwerden des Krieges. Die Jagd auf in den Wäldern hausen-de Thiere war für die Nomaden die beste Schule für den Krieg.

In diesem Lande wurde im J. 1161 (nach chinesischen Nachrichten)*)Temudschin geboren. Sein Vater und Grossvater waren tapfere Krie-ger, plünderten in China und erhielten für ihre Kriegsthaten den beiasiatischen Nomaden Völkern ehrenvollen Titel Batuiren (Batyren,d. h. Bogatuir oder Held). Es ist daher kein Zweifel, dass sie für Te-mudschin treffliche Heere und nützliche Kriegseinrichtungen heran-gebildet hatten. Temudschin's Vater starb, als sein Sohn 13 Jahre altwar (also 1174). Wie Temudschin's Jugend verflossen und wie ersich demzufolge entwickelt und gebildet, ist unbekannt, aber wahr-scheinlich ist es, dass der Sohn eines solchen mongolischen Helden vonKindheit auf, mongolischem Brauche gemäss, eine Kriegs-Nomaden-Bil-dung (Pferd und Jagd) erhielt. Aber der 13jährige Temudschinkonnte seine Nachbarstämme nicht im Gehorsam erhalten, nachdem seinVater und Grossvater sie unterworfen hatten. Von den 30 oder 40 Kibit-ken oder Familien, welche seinem Vater gehorcht hatten, riss sich eingrosser Theil los und nur die Nachkommen der schon von seinem Urgross-vater unterworfenen Familien blieben ihm treu. Da er mächtige Feindehatte, so gerieth sein Leben öfters in Gefahr und vielleicht hätte er selber

*} Nach Meinung des Professor Erdmann zu Kasan 1154 oder 1155.