12. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 283
nehmungen, erlitt in den J. 1131—1132 in Littkauen eine solche Nieder-lage, dass seine ganzen Druschinen durch die von ihren Fürsten Kuko-woitis und Montwillo geführten Litthauer aufgerieben wurden. DieBewohner von Semigalia wären beinahe unter die Gewalt der Polotzker-fürsten gerathen, gewannen aber durch Waffengewalt ihre Freiheit wieder.„Zu gleicher Zeit führten die Litthauer hartnäckige Kriege mit dem polni-schen König Boleslaw Kudrjawy, welcher die Preussen zum Chri-stenthum bekehren wollte; aber sie lockten sein Heer in einen Hinterhaltund machten es nieder.
Die russischen Fürsten, denen ihre Unterwerfung nicht gelang, mach-ten durch ihre unaufhörlichen Züge sie nur noch erbitterter und böserund zu grausamen und unversöhnlichen Feinden. Seit der Mitte des12. Jahrhunderts begannen sie ihre Einfälle in russisches Gebiet schonmit weit grösserer Macht, Bösartigkeit und Verwegenheit, unter Raubund Verwüstung auszuführen. Fürst Roman von Halitsch beschränkteindessen zu Ende des 12. Jahrhunderts durch die Gewalt und denSchrecken seiner Waffen ihre Einfälle auf Volhynien. Danach aber fuhrendie Litthauer mit ihren furchtbaren Verheerungen und entfernteren Erobe-rungen in den Polotzker, Pskower, sogar Nowgoroder, ja in den benach-barten polnischen und den Ländern des livländischen Schwert - Ritter-Ordens fort. Im J. 1224 drangen sie in Russland selbst ein, hätten 1239fast Smolensk in Besitz genommen, brachten in einer der Schlachten mitden Rittern diesen eine furchtbare Niederlage bei, in welcher der Herren-meister Wo lkwin selbst nebst vielen von ihm zu Hülfe gerufenen Psko-witen fiel.
§. 92.Kriege nach Mindoweg (1240—1341).
Endlich, um die Mitte des 13. Jahrhunderts, zu gleicher Zeit mit denEinfällen der Mongolen in Russland von Osten her, begannen die nichtmehr Streifzüge, sondern Einfälle zu nennenden Angriffe der Litthauergegen Russland von Westen her, Angriffe, welche nicht mehr blosse Plün-derung, sondern die Eroberung der russischen Provinzen Pskow, Polotzkund Volhynien bezweckten. Diese Einfälle wurden unter Führung ihrerFürsten ausgeführt, deren Haupt seit 1240 Mindoweg (Mendogi war,der erste vollkommen bekannte litthauische Fürst, welcher bereits ganz Lit-thauen zu einem grossen Reiche und zeitweilig sogar zu einem Königreichezusammenfasste. Und sein erster Angriff gegen das Polotzkische, Pskowi-tische und Nowgorodische Gebiet war so mächtig und ungestüm, dassder Fürst Alexander Ja rosla witsch von Nowgorod (Newski) acht-mal mit seinen Druschinen den Litthauern sich entgegen werfen musste,