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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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11. Die bemerkenswertesten Kriege und Feldziige dieser Zeit. 261

gnoscirungen der Gegenden westlich der Wolga nennen. In der Schlachtan der Kalka hatten die Mongolen eine grosse Menge Gefangene aus densüdlichen Provinzen Russlands gemacht, durch sie und in dem Zuge von1229 erlangten sie unzweifelhaft die für sie erforderlichen Nachrichtenüber das Land zwischen Irtysch, Wolga, Dnjepr und jenseits des Dnjepr,also damit auch über Russland, Polen und Ungarn. Nach dem ZeugnissPlano-Karpin's hatten die Mongolen nach B a t u 's Zuge in Ungarn dieAbsicht, in 18 Jahren ganz Europa zu erobern. Dies zeigt, dass der Planeiner solchen Eroberung schon seit längerer Zeit bei ihnen bestand unddass ihnen wahrscheinlich die damalige Lage Europas bekannt war. Sokann man denn auch den zweiten Einfall der Mongolen unter Batu'sFührung, 12371238, in das-östliche Russland unmöglich für einen denvorhergegangenen Angriffen asiatischer Völker auf Europa ähnlichen odergleichen Einfall halten, sondern für ein Glied eines auf einen ungeheurenund tief durchdachten Plan gegründeten Unternehmens, dessen Anfangeben nur die Einfälle von 1224 und 12371238 gewesen waren. Leiderist der letztere in unsern Chroniken zu kurz und in ungenügender Weisebeschrieben. Die Darstellung desselben ist ohne Zweifel nicht sogleichnachher, sondern erst viele Jahre später erfolgt, als unsere Geistlichkeit,Klöster und Kirchen bereits falsche Darstellungen, wie sie von den Mon-golen herrührten, aufgenommen und acceptirt hatten. Aus diesem Mangelan Thatsachen aus dem zweiten Einfall der Mongolen folgt die Unmög-lichkeit, zu erkennen, von welchen Erwägungen Batu sich bei diesemwie bei dem dritten Einfalle leiten Hess, und wir müssen daher aus demVorhandenen combinirend uns nur auf Muthmassungen und Annahmenüber den allgemeinen Charakter des Kriegssystemes und der Kriegs-kunst unter Dschingis-Khan beschränken.

Abulghasi und d'Osson erzählen, dass Dschingis-Khän,als er seinen Söhnen und Verwandten Antheile zusprach, seinem ältestenSohne Dschudschi das Land nördlich vom Aral- und Kaspisee undwestlich derselben gab, wie er sich ausdrückte »bis zu den Orten,wohin (so weit, wie) die Pferde der Mongolen nur gelangen (gehen)können«. Nach dem Zuge Tschebe's und Subutai's*) im J. 1224sollte Dschudschi im Norden vom kaspischenMeere zu ihnen stossen;dieser sein Zug aber fand nicht statt. Nachdem sich Subutai undTschebe mit Dschingis-Khan in der Grossen Bucharei vereinigthatten (orientalischen Quellen zufolge im Frühjahr 1224), entwarf Letz-terer auf Grund der empfangenen Nachrichten unzweifelhaft schon da-

*) Subutai wird in unsern Chroniken Tebedai-Bagadur, bei Chonde-mir nach G-regorj e w's Uebersetzung Subedai-Bagadur, und beiAbulghasi Sudai-Bagadur genannt.