8. Die gleichzeitigen Vöiker in Ost-Europa und Asien. 181
scheinungen, wie in allen Feudalstaaten West-Europas zu jener Zeit, undwaren verknüpft mit inneren Zwistigkeiten, Unruhen und Bürgerkriegen.Dies dauerte fort, bis C a r 1 R o b e r t, der König von Neapel, den unga-rischen Thron bestieg (1342). Er unternahm es, die veralteten Formender öffentlichen und militärischen Verfassung Ungarns durch germanisch-romanische Einrichtungen zu ersetzen. Er befreite alle geistlichen undweltlichen Magnaten, sowie diejenigen Städte, welche auf ihre Kosteneine Abtheilung von 1000 Mann auszurüsten und zu unterhalten ver-mochten, von der Verpflichtung, in Kriegszeiten in den Provinzialcontin-genten zu dienen, und erlaubte ihnen, ein eigenes Banner (banderium) zuführen, woher dann ihre Druschinen den Namen Banderii und die sieAusrüstenden Domini Banderiati, Urbes banderiatae erhielten.Die hierdurch angereizten Magnaten suchten es nun einander an Zahlund Reichthum der Ausrüstung der von ihnen gestellten Banderien zuvorzu thun, und der König befahl dann, dass sie künftighin stets die gleicheAnzahl von Kriegern auszurüsten haben sollten. Die weniger vornehmenoder mächtigen Herren, Adligen und Städte stellten sich zu einemBanderium oder auch zu dem königlichen (Banderium regium) zu-sammen.
Diese Banderien bildeten gleichsam das reguläre, grösstentheils be-rittene Heer der Ungarn, das noch nach Art der Ritter und der berittenenBogenschützen bewaffnet war. Als leichte Reiterei dienten die kriegeri-schen Kumanen, Jazygen undSzekler. Carl Robert unterschied sie inBogenschützen (Jazygen, Jassones) und Armbrustschützen (Ballistarii,Philistarii), er bestimmte die Stellen, welche sie in der allgemeinenSchlachtordnung einzunehmen hatten, und die Art ihres Dienstes undihrer Thätigkeit. Die Szekler theilte er in drei Klassen: Primores(fö-nepek), Primipilen (lö-fejek) und Plebejer (kös-nepek). Dieganz in Verfall gerathene Einrichtung der Grenzertruppen wurde wiederhergestellt, umgebildet und einem besondern dem Ritterstande angehören-den Befehlshaber (eör-nagusäk) unterstellt.
Es geht hieraus hervor, dass die militärische Organisation Ungarnsund seines Heeres neben ihren eigentlichen, wesentlichen und nationalenGrundzügen auch noch die den deutsch-romanischen Völkern und Heerengemeinsamen Züge besass. Ogleich sie daher in das derzeitige militäri-sche System des Abendlandes hineinpasste, so ward sie doch bei derHeeresorganisation und den Kriegen Ost-Europas dargestellt deshalb,weil die kriegerische Thätigkeit der Ungarn sich mehr im Osten Europasentfaltete (Kriege mit Polen, Russland und den Donauvölkern und Donau-Staaten) , als im Westen.