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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 179

III. Ungarn, Rumänen und Donau-Bolgaren.

§. 65.Ungarn.

Kriegsorganisation und Heerwesen derselben.

Hundert Jahre nachdem Karl d. Gr. nach Zerstörung des Avaren-reiches in Pannonien (796) dasselbe mit dem fränkischen Kaiserreichvereinigt und die Regierung den karinthischenHerzögen anvertraut hatte,rief einer dieser Herzöge, A r n ul p h (später deutscher König), in demKriege gegen Swjatopulk von Mähren dieUgrier zu Hülfe, welchedamals in der heutigen Moldau nomadisirten. DieUgrier, Ugori oderJugri waren ein den Finnen,. Hunnen oder Türken verwandtes Volk, dassich zu beiden Seiten des ugorischen oder Uralgebirges aufhielt, von woes allmählich sich in dem Lande zwischen Wolga, Don, Dnjepr und Do-nau niederliess, und durch glückliche Kriege gegen die auf diesemRäume wohnenden Völker sich einen Namen machte. Der von Arnulphherbeigerufene Führer derügrier, Arpad, erhielt von Ersterem einenTheil des oberen Pannoniens, unterwarf nach Arnulph's Tode diesesganze Landund gründete in demselben ein unabhängiges u g o r i s c h e soder madj arisch es Reich (von dem Namen M a dj a r e n, welchen dieUgrier in ihrer eigenen Sprache führten), das spätere Wengrien oderUngarn. DieUgrier, Madjaren oder Ungarn, ein halbwildes, beute-lustiges und kriegerisches Nomadenvolk, waren zu keinem friedlichensesshaften Leben geneigt und brachten das ganze 10. Jahrhundert unterfortwährenden Kriegen, offensiven wie defensiven, mit dem byzantini-schen Reiche, Italien und Deutschland zu. Von den deutschen KaisernHeinrich dem Vogler (920935) und Otto d. G>-- (936972) be-siegt und durch Annahme des Christenthums römisch-katholischer Con-fession unter Arpad's Urenkel Geisa (973) in den Sitten gesänftigt,hörten sie auf, Einfälle in die benachbarte» deiche zu machen, und began-nen von nun an und namentlich u^er ihrem ersten Könige Stephandem Heiligen (1000) sich an ein sesshaftes Leben zu gewöhnen. AnDeutschland und überhaupt *n das Abendland, an den römischen Glau-ben und die staatlichem; öffentlichen und militärischen OrganisationenWest-Europas sich anschliessend, führten sie bei sich auch zuerst dasAllodial- und ^ a nn das. Feudalwesen ein. Der beste Theil des Landeswurde cW 1 Könige gegeben, das Uebrige den Wojewoden (Baronen) undd e r> gemeinen Soldaten. Die Eingeborenen, Nachkommen der Jazygen,Hunnen, Avaren und der von Osten her eingewanderten Polowzer oderKumanen, wurden den Ungarn unterthan, behielten aber ihre Nationalität

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