126 I. Bis zum Tode Karls d. Gr. (814).
Reiches. Um die Kosten dieses Zuges zu bestreiten, rnusste die Geist-lichkeit den zehnten Theil ihrer Einkünfte abgeben. Ausser Ludwig IX.wollte oder konnte keiner der Fürsten Europa's an einem neuen Kreuz-zuge theilnehmen, und sogar in Frankreich selbst zeigte das Volk nurwenig Neigung zu demselben.
Nach dreijährigen Rüstungen schiffte sich Ludwig endlich imAugust 1248 zu Marseille auf der Flotte ein und langte Ende Septembermit über 50,000 Kriegern bei der Insel Cypern an. Krankheiten imHeere und das Warten auf weitere Kreuzfahrer hielten Ludwig Mei-den ganzen Winter fest. Hier erschien eine Gesandtschaft der Mongolenbei ihm, welche ihm ein Bündniss gegen die Sarazenen anbot. DiesesBündniss wurde abgeschlossen und festgesetzt, dass man die Sarazenenim Centrum ihrer Macht, in Aegypten, angreifen wolle. Auf die Nach-richt hiervon rüstete sich der Sultan von Aegypten, Malek-al-SalehNodsch-Meddin. zu kräftigem Widerstände. Am 15. Mai 1249schiffte Ludwig sein Heer auf 1800 Schiffen ein und nach fast 14Tagenbewerkstelligte er kämpfend seine Landung bei Damiette. Das ägypti-sche Heer und die Flotte wandte sich, fast ohne Widerstand zu leisten, zurschimpflichsten Flucht in das Innere von Aegypten. Damiette wurde vonden Kreuzfahrern besetzt. Nodsch-Meddin zog. nachdem er die an-der feigen Flucht Schuldhabenden gezüchtigt, nach Mansurah. SeineFriedensvorschläge wurden von Ludwig zurückgewiesen, der aber un-thätig liegen blieb, die Ankunft des Herzogs von Poitou mit den übrigenKreuzfahrern erwartend und unnütze Zeit verlierend. Inzwischen ergabensich die Kreuzfahrer dem Wohlleben, dem Nichtsthun und Ausschweifun-gen, es brachen in Folge der grossen Hitze ansteckende Krankheiten beiihnen aus, die Sarazenen umschwärmten sie auf allen Seiten, setztenihnen hart zu und machten viele Einzelne nieder. Endlich, nachdem derHerzog von Poitou eingetroffen, beschloss man, sich Cairos zu bemäch-tigen , entgegen dem weit verständigeren Plane der Eroberung von,Alexandria; das Erstere war ebenso schwer und gewagt, als Letzteresleicht und erspriesslich. Nach Zurücklassung einer Besatzung in Da-miette brach das Kreuzheer (Ende November) nach Cairo auf, die Flotteführte den Unterhalt und die Kriegsbedürfnisse auf dem Nil nach. Unter-dessen starb Nodsch-Meddin: die von seinem Feldherrn Fakred-din gemachten Friedensvorschläge wurden zurückgewiesen und die inMarsch bleibenden Kreuzfahrer, ungefähr 20,000 Ritter und 40.000 MannFussvolk, bezogen (19. December) ein Lager zwischen zwei Nilarmen,deren einer es von dem Heer Fakreddin's trennte, welches mit seinerlinken Flanke sich an den Nil lehnte und Mansurah hinter sich hatte.Von den Sarazenen umschwärmt und beunruhigt. namentlich durch An-wendung des griechischen Feuers erschreckt, suchten die Kreuzfahrer