112 I. Bis zum Tode Karl's d. Gr. (814).
Belagerungen und Verteidigungen von Städten. Die Kriege mit denSarazenen begannen schon zur Zeit der Kreuzzüge Einfluss auf die Artder europäischen Kriegführung zu zeigen. Ein Vermeiden des Kampfes,der kleine Krieg, Anwendung von Kriegslisten finden sich überall. ImAllgemeinen aber ist der Charakter der Feudalkriege überall und immerderselbe: ohne Kegel und Kunst, war er ausserdem auch noch äusserstgrausam. Der Krieg war immer von Plünderung und Verheerung desLandes begleitet, wozu die Feudaltruppen theils- durch die Nothwendig-keit,sich ihren Unterhalt zu beschaffen, theils durch den Hang zum Plün-dern und Zerstören, theils durch Gefühle der Rache, theils auch durchden Wunsch bewogen wurden, den Gegner einzuschüchtern und ihn derWiderstandsmittel zu berauben. Ueberhaupt liefen sowohl die grossenReichskriege, wie auch die inneren Fehden der Feudalherren, die einenin grösserem, die andern in kleinerem Maasse und Umfange, weniger aufOperationen wohlorganisirter Streitkräfte hinaus, sie glichen vielmehrden Einfällen wilder Völker und räuberischer Horden.
§.37.Die Kreuzzüge (1096—1291). Der 1. Kreuzzug (1096—1100).
Die Kreuzzüge, — die in religiöser und politischer Hinsicht wich-tigste Erscheinung der Feudalzeit, sind es nicht minder auch in kriegeri-scher Beziehung, und zwar ebenso ihrem Zwecke, der Zeit, den Kräftenund Mitteln nach, welche dazu aufgewendet wurden, wie durch die die-sen nicht entsprechenden schliesslichen Resultate, und durch den Ein-fluss, welchen neben vielen andern Ursachen auch die Kriegsorganisationdes Feudalsystems mit allen ihren Mängeln und Unvollkommenheitenauf den beständigen Misserfolg dieser Feldzüge ausübte.
Besondere Beachtung verdient der 1. Kreuzzug, zu welchem für dieBefreiung des heiligen Landes die gewaltigen Mittel Europa's aufgebotenwurden, in welchem ferner der erste Zusammenstoss zwischen den Kreuz-fahrern und Sarazenen stattfand und trotz der raschen Verminderung derKräfte, der Fehler und Zerwürfnisse auf Seiten der Kreuzfahrer dennochso wichtige und glänzende Erfolge errungen wurden. Von da an belohntedas Glück nur selten noch die Anstrengungen, Entbehrungen, die Ein-tracht und Kunst der Kreuzfahrer, sondern begünstigte fast fortwährenddie Sarazenen.
Von dem Papste U r b a n IL laut und öffentlich zur Befreiung des.heiligen Landes, — insgeheim aber zur Unterwerfung der orientalischenKirche unter die päpstliche Macht — aufgerufen , rüstete das Abendland;West-Europa) sich in dem Winter von 1095 auf 1096 energisch zu dembevorstehenden Feldzuge. Die Zahl derer, welche daran Theil zu neh-