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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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108 I- Bi s zum Tode Karls d. Gr. (814).

Beseelt von demselben religiösen Fanatismus und derselben morali-schen Kraft, wie die ersten Araber, und getrieben von demselben Stre-ben nach Verbreitung des Mohamedanismus durch Gewalt der Waffen,sahen sie, gleich Jenen, den Kriegsdienst als eine heilige Pflicht jedesfreigeborenen Türken an. Und während ihre Sultane sich mit der ganzenPracht der früheren arabischen Khalifen umgaben, blieben sie selbst nachwie vor ein wildes, rohes, kriegerisches Volk, welches das Nomadenlebenund den Krieg höher stellte als die friedlichen Beschäftigungen desAckerbaues, der Industrie und des Handels.

Nach dem Zeugniss des griechischen Kaisers Leol. des Philoso-phen (886911) und der Chronisten der Kreuzzüge bildete den bestenund hauptsächlichsten Theil ihrer Heere die ausgezeichnete leichte Rei-terei, denn Türken wie Mameluken waren vorzügliche Reiter, verstandenin vollster Carriere ihre Pfeile zu entsenden, sich nach allen Seitenzurückwendend, und kämpften auch zu Fusse mit Auszeichnung. DieReiter waren durch leichte Schuppenpanzer oder Panzerhemden, Helmemit Turban und Schilde geschützt, führten krumme Säbel, Yatagän oderDolch, lange und dünne Wurfspiesse, Bogen und Pfeile. Ihr Fuss-volk hoben sie gewöhnlich bei den unterworfenen Völkern aus, es warden Gewohnheiten dieser verschiedenen Völker entsprechend bewaffnet,so die Aethiopier mit eisenbeschlagenen Keulen oder Streitkolben, dieNeger mit Pfeilen und Geissein aus Eisendvaht, welche nicht selten dieallerstärksten Panzer und Schilde durchschlugen u. s. w. Ihre Lagerbefestigten die Türken nicht, sie umstellten sie nur mit zahlreichen undaufmerksamen Wachen und Posten. Im Felde und im Kampfe verhiel-ten sie sich wie die alten Parther und die ersten Araber. Ihr Heer,dem zahlreiche Abtheilungen von Berittenen vorauszogen, stellte sich inein oder zwei schmalen langen Linien auf, die in Form eines Halb-mondes eingebogen waren, um dadurch dem Feinde bedeutender an Zahlzu erscheinen und dessen Flanken zu umfassen. Starke Reserven unter-stützten die Kämpfenden und verstärkten die schwachen Punkte. Nebendieser Art der Kriegführung und Kampfweise zeichneten, nach der(wie es scheint, parteiischen) Angabe L e o 's I. , die Türken sich durchList, Tücke, Treulosigkeit und Grausamkeit aus. Von allen West-Asien bevölkernden türkischen Horden waren die Seldschuken, welchebesonders in Syrien und Palästina nomadisirten, die wildesten, rohestenund verschlagensten, aber auch kriegerischesten.

Nachdem der grösste Theil der östlichen Türken durch die Mongo-len (s. unten) zu Ende des 13. Jahrhunderts (1294) unterjocht, und durchOsman oder Otman. einen der Seldschuken - Emire der westlichenTürken, im J. 1299 das neue osmanische oder ottomanische Reich ge-