4. Die bemerkenswerthesten Feldzüge dieser Periode. 83
Ctesiphon bemächtigte sich Heraclius noch einer Menge von Städtenund festen Burgen und der reichen Schätze in denselben und gab einergrossen Anzahl von Christen, welche durch die Perser in die Sclavereigeschleppt gewesen, die Freiheit wieder.
Im J. 628 verliess Chosroes Ctesiphon und ging nach Susiana, denSarbar zu Hülfe rufend, welcher Constantinopel und Chalcedon be-lagerte. Aber eine von Heraclius mit Glück angewendete List hattezur Folge, dass Sarbar von Chosroes abfiel, mit den Besatzungen vonConstantinopel und Chalcedon Friedensverträge abschloss und nach Per-sien zog. Heraclius ging nicht nach Ctesiphon: die Stellung des dieseStadt deckenden persischen Heeres an der Mündung des Arba in denTigris, die Abtragung aller Brücken über den tiefen Arbafluss, die Kundevon der Unzugänglichkeit Ctesiphons, und der rauhe Winter hindertenihn, den Angriff auf die Perser zu machen und sie vor Ctesiphon zu be-siegen, wie er es wünschte, und zwang ihn, nach Ganzac zurückzugehen.Hier empfing er bald die Nachricht, dass S i r o e s, der zweite Sohn desChosroes, seinen Vater getödtet und den persischen Thron bestiegenhabe. Siroes trat sogleich in Friedensunterhandlungen mit Hera-clius, es kam bald zu einem für das byzantinische Reich günstigenFrieden, durch welchen alle früher von den Persern demselben in'Asienund Aegypten abgenommenen Provinzen, wie auch das von Chosroesaus Jerusalem fortgeführte Kreuz Christi zurückgegeben wurden.
So beendete Heraclius den fast 25 Jahre dauernden Krieg, wel-cher- das byzantinische Reich an den Rand des Verderbens gebrachthatte. In Constantinopel von den Persern, Avaren und Slawen bedrängtund -in die äusserste Gefahr versetzt, hatte er durch rasche, kühne, ent-scheidende und geschickte Operationen binnen 6 Jahren nicht allein diePerser, Avaren und Slawen abgewehrt, sondern auch durch Uebertragendes Krieges in das Innere von Persien, Verwüstung des Landes und Be-siegung der persischen Heere es selbst gefährdet und schliesslich zurRückgabe aller Eroberungen gezwungen. In seinen 6 Feldzügen sindbesonders bemerkenswerth: sein kühner Plan, das Reich durch Hinüber-spielen des Kriegs nach Persien von den Persern zu befreien, sein Fest-setzen in-Armenien zu diesem Zwecke, in welchem Lande er derMitwirkung der zahlreichen christlichen Bevölkerung sich bediente, undaus welchem er in die persischen Provinzen eindrang, bis schliesslich tiefin das Innere zur Hauptstadt selbst, — sein Uebergang über den Taurusund sein' Marsch nach Cappadocien, — dann sein Marsch aus Albaniennach Medien, Assyrien u. s. w., — seine geschickten Bewegungen undsein Verhalten Angesichts mehrerer persischer Armeen und deren einzelneBesiegung, — endlich sein Organisationstalent und seine Gabe, seineganz demoralisirten, niedergeschlagenen und aus verschiedenen Völker-