72 I. Bis zum Tode Karls d. Gr. (814,.
die Flanken seines Heeres in einer offenen, durch kein Hinderniss ge-schützten Stellung in der Ebene um Dara durch kunstvolle Gräben, trafso geschickte Anordnungen und entfaltete selber solche Tapferkeit, dassdie Perser in der Schlacht bei Dara aufs Haupt geschlagen wurden. ImJ. 531 zogen sie zum Euphrat, in der Absicht ihn zu überschreiten undsich auf die wichtigste griechische Stadt im Orient, Antiochia, zu werfen.Belisar brach, sowie er hiervon hörte, unter Zurücklassung von Be-satzungen in den Festungen Mesopotamiens, mit 20,000 Mann von Nisi-bis auf, zog rasch den Persern entgegen, überschritt bei Samosata denEuphrat und traf gerade bei der Stadt Chalcis ein, als die Perser noch5 Wegstunden von ihr entfernt waren. Sie begannen zurück zu gehen,die Truppen Belisar's aber, brennend vor Ungeduld sich mit ihnen zumessen, zwangen ihn gegen seinen Willen zur Schlacht bei der Stadt Kal-linikum, am Zusainmenfluss des Euphrat mit dem Bilech. Der grössteTheil von Belisar's Reiterei wurde niedergemacht, das Fussvolk aber,an dessen Spitze er persönlich kämpfte, gewann die Oberhand und ver-richtete Wunder von Tapferkeit. Obgleich die Schlacht unentschiedenblieb und sich die Griechen auf eine Insel im Euphrat zurückzogen, sowaren die Perser doch in ihrer Bewegung aufgehalten worden und gingenebenfalls zurück. Bald danach trat der Friedensschluss ein, Belisarfiel in Ungnade und wurde nach Constantinopel zurückberufen.
Im J. 533 aber wurde ihm abermals aufgetragen, die von den Van-dalen in Afrika eroberten Provinzen des römischen Reiches wieder zuunterwerfen. Belisar nahm nur 10,000 Mann (n. A. 20,000 Mann)Fussvolk und 6000 Reiter mit sich, allerdings auserlesene und erfahreneKrieger, denen er persönlich geschickte und zuverlässige Führer beigab,handhabte eine strenge Disciplin unter ihnen und forniirte aus denBesten und Tapfersten seine eigene Leibwache, welchen er einen Eid derTreue zu ihm abnahm. Die Truppen wurden auf 500 Transportschiffenübergesetzt, welchen eine Bedeckung von 92 Kriegsschiffen beigegebenwar, 30,000*) erfahrene Matrosen bildeten deren Bemannung. Nachdemer den Truppen an der Küste von Messenien eine kurze Rast gegönntund sich hier mit neuen Lebensmitteln versorgt hatte, wandte sich Beli-sar zunächst nach Sicilien, von da aber auf die Nachricht, dass die Van-dalen von seiner Ueberschiffung Nichts wüssten und seinen Angriff nichterwarteten, nach Afrika, an dessen Küste im September, 3 Monate nachseiner Abfahrt von Constantinopel, die Landung am CaputVada(5 Tage-märsche oder 225 Werst etwa südlich von Karthago, beim heutigen RasKabudia) erfolgte. Hier blieb er, die Flotte dicht an der Küste behaltend,einige Zeit in einem verschanzten Lager unter den grössten Vorsichts-
*) 20,0)0 M. n. A. Anm. d. üebers.