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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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68 I. Bis zum Tode Karls d. Gr. (814).

waren alle von hohem, kräftigem Wüchse, stark, stattlich, von weisserHäutfarbe, hatten lange dunkelbraune Haare, hübsche Gesichtszüge undertrugen Schnee und Kälte, Mangel an Bekleidung und Nahrung mitLeichtigkeit.

Im Allgemeinen kämpften sie stets zu Fuss und verschanzten sich,vom Feinde umringt, hinter ihren Wagen, wo sie sich mit verzweifelterTapferkeit und ungemeiner Ausdauer zur Wehre setzten ; sie waren be-rühmt als schnell und unermüdlich im Laufe, stark und gewandt imEinzelkampfe, geschickt beim Machen von Gefangenen, beim Durch-schwimmen von Flüssen, und wegen ihrer Fähigkeit, sich lange im Wasserzu verbergen, indem sie auf dem Rücken liegend durch Röhren ausSchilfrohr, deren eines Ende sie über die Wasseroberfläche hielten, Lufteinathmeten. Sie verstanden mit gleicher Geschicklichkeit in den Bergenwie in den Engpässen zu kämpfen und waren ausgezeichnete Fusssoldatenund Bogenschützen.

Die Ost-Slawen bieten dieselben Züge, scheinen aber wilder undroher gewesen zu sein, die Einen in geringerem Maasse (die Poljanen), die Anderen in höherem Maasse (Drewljanen und alle in Wäldernlebenden).

Die West-Slawen hingegen waren durch die frühe und beständigeBerührung und die feindlichen Zusammenstösse mit den Germanen undFranken bereits weniger roh und wild, hatten eine bessere Kriegsorgani-sation und überhaupt allmählich viel von ihnen angenommen, so bessereBewaffnung, Aufstellung und Kampfart. Sie (die Tschechen, Morawenu. a. zwischen Elbe und Oder) besassen bereits Helme, Panzer, SchildeStreitkolben, Schwerter, Lanzen, Bogen und Pfeile, und bei den allge-meinen Volksaufgeboten auch geheiligte Feldzeichen, welche vor demHaupt-Woiwoden voraufgetragen wurden; sie kämpften auch zu Pferde,öfter und in der Mehrzahl jedoch zu Fuss. Bei den Elb-Soraben oderSerben bildete ein langes Messer (Dolch) die Hauptwaffe, sie führtenaber auch Schilde, Wurfspeere, Bogen und Pfeile, Schwerter und Lan-zen. Ausserdem hatten, wie schon oben bemerkt wurde, die West-Slawen befestigte hölzerne Städte, wussten diese sehr festzumachen undgut zu vertheidigen. Im Allgemeinen standen sie zu dieser Zeit höherals die Süd- und besonders die Ost-Slawen, sowohl in Bezug auf Kriegs-organisation , wie auf Kriegswesen, und sie leisteten, wie mit den Sach-sen zusammen, so auch für sich allein' selbst einem Feldherrn wieKarl d. Gr. und dem von ihm geführten Heere nicht ohne Erfolg undRuhm Widerstand.