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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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60 I- Bis zum Tode Karls d. Gr. (814).

Was die Kampfart der Legion anbetrifft, so weisen die angeführteZusammensetzung und Aufstellung derselben und aller Truppengattungenund Geschütze schon darauf hin. Uebrigens besitzen wir wenige Nach-richten über besondere Unterschiede gegen das, was Vegetius hierüberangiebt. Die Theorie der Taktik wurde zu dieser Zeit durch die Grie-chen eifrig und sorgsam bearbeitet und gelehrt, die Erfahrungen der ver-gangenen Zeiten waren ihnen genau bekannt. Mit Ausnahme aber einigerbesserer Heerführer, wie Belisar und Narses, gab es unter den ent-arteten Griechen schon Niemand mehr, der verstanden und vermochthätte, geschickt und mannhaft in Wirklichkeit alle die Feinheiten derTheorie zu erfüllen, leere und leblose Formen, welchen kein leben-diger Geist mehr inne wohnte.

§. 13.Fortifikation und Belagerungskunst.

Dasselbe gilt auch von der Fortification und Poliorketik. Der Ver-fall der moralischen Kraft und die innere Verwirrung des griechischenKaiserreiches sollte durch künstliche Vertheidigungsmittel in mancherleiFormen und gewaltigen Dimensionen ersetzt resp. verdeckt werden,welche auf das Feinste ausgeklügelt waren und nur den äussersten Klein-muth offenbarten. So war das Reich auf der ganzen Ausdehnung seinerGrenzen und seines Flächenraumes mit grossen und kleinen Festungen,Steinmauern, Erdwällen, einzelnen Forts, Burgen u. s. w. übersäet.Engpässe, Landengen, wichtige Zugänge zum Reiche wurden durch die-selben gesperrt: vom adriatischen bis zum schwarzen Meere gab es an80 Festungen, Dacien, Thracien, Macedonien, Epirus und Thessalienallein hatten an 600 befestigte Punkte. Einige Festungen, wie z. B.Aniida und Edessa an der persischen Grenze, galten für unüberwindlich,sie einzunehmen, wurde lange für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten.Von der Einrichtung der griechischen Festungen mag die folgende kurzeBeschreibung der Festung Dara in Mesopotamien, unweit von Nisibiseine Vorstellung geben. Die Festungswerke von Dara bestanden auseiner inneren und äusseren Mauer, welche 50 Schritte von einander ent-fernt standen. Der Raum zwischen Beiden diente den Bewohnern derUmgegend mit ihren Heerden zur Aufnahme. Die äussere Mauer wardurch eine grosse Anzahl von Thürmen verstärkt, welche von viereckigenerhöhten Bollwerken (Bastionen) umgeben waren, sie hatte Schiess-scharten für die verschiedenen Arten von Wurfmaschinen (Geschützen).Die innere 60 Fuss hohe Mauer, mit Thürmen von 100 Fuss Höhe, be-herrschte die äussere. Rund um die Mauer liefen gedeckte Gänge in zweiStockwerken zum Schutze der Krieger. Auf der Südost-Seite, wo das