36 I. Bis zum Tode Karls d. Gr. (814;.
oder geringeren Wichtigkeit des Falles. Es wurden entweder nur ineiner oder mehreren Provinzen, oder auch im ganzen Reiche Truppenausgehoben. Bisweilen wurden nur einzelne Comitate oder Schaaren vonOptimaten und Senioren (seniores), bisweilen auch der 2., 3., 4. u. s. w.Freie und Edelgeborene einer Provinz, oder der ganze Heerbann derselbenzu einem Feldzuge bestimmt.
In Bezug auf den Stand des Kriegswesens bei den Franken in dieserPeriode ist noch zu sagen , dass Bewaffnung, Aufstellung und Kampfartder Franken unter den Merowingern dieselben waren, wie überhauptbei allen germanischen Völkern dieser Zeit, unter den Carolingernaber erheblich andere wurden. Die Bewaffnung wurde immer compli-cirter, schwerer und reicher. Zu der früheren traten hinzu Schilde,grosse Bögen (Armbrusti , Brustharnische, Helme und Panzerhemdenletztere hatten die Franken von den Galliern angenommen). Die Zahlder zu Pferde Kämpfenden nahm rasch zu. In der Schlacht mit denspanischen Mauren bei Poitiers, 732, tritt in Karl Martell's Heere be-reits eine zahlreiche Reiterei auf, welche allerdings nur mit kurzenSpeeren bewaffnet war und gar keine Defensivrüstung trug. UnterPip in dem Kleinen war noch mehr Reiterei vorhanden, sodass, umder besseren Verpflegung ihrer Pferde willen, die Volksversammlungenstatt am 1. März erst am 1. Mai stattfanden. Unter Karl d. Gr. war dieReiterei bereits ebenso zahlreich wie das Fussvolk. In der Aufstellungund Kampfart der Heere, - Aufschlagen der Lager, Belagerung und Ver-teidigung der Städte war keine besonders wichtige Aenderung ein-getreten. Die Aufstellung der Heere erfolgte gewöhnlich, wie früherauch, in grossen geschlossenen Massen, welche kleine Abtheilungen vonBogenschützen vor sich hatten. Den Sieg in der Schlacht entschied nichtdie Kunst, sondern die physische Kraft und die persönliche Tapferkeit.Die Heerführer, sogar die Könige und Karl d. Gr. selber gingen ihrenTruppen mit dem Beispiel voran, indem sie persönlich an deren Spitzekämpften. Die Kriege der Franken (besonders der 30jährige KriegKarl's d. Gr. gegen die Sachsen) wurden im Allgemeinen mit unge-wöhnlicher Grausamkeit , geführt: das ganze feindliche Land wurdeerbarmungslos verheert und verwüstet, mit den Gefangenen unmensch-lich verfahren. In den Kriegen und Feldzügen Karl's d. Gr. überhauptaber, und gegen die Longobarden, Bavaren, Avaren u. A. im Besondernkann man nicht umhin, die ausgezeichneten politischen und strategischenMaassregeln anzuerkennen, welche vollkommen den hohen staatsmänni-schen und kriegerischen Gaben Karl's d. Gr. zugeschrieben werdenmüssen. Noch bis zum Kriege hin sammelte er sorgfältig Nachrich-ten über das feindliche Land ; dessen Beschaffenheit, Kräfte, Mittel undHülfsquellen, über Sitten und Gebräuche seiner Bewohner, über die