Die Quedlinburger Annalen. 343
gewesen sein. Aber zum ursprünglichen Werke gehört sie nicht, unddie Bemerkung über Thiderik von Berne ist ein noch viel spätererZusatz').
Gewifs fehlte es in Quedlinburg nicht an Hülfsmitteln, umbesseres zu leisten, aber vielleicht eben deshalb und weil der Ver-fasser gar nicht daran dachte, die ausführlicheren Werke über die Vor-zeit durch das seinige ersetzen zu wollen, begnügte er sich mit demdürftigsten annalistischen Gerippe, welches ihm diente, um nachBedürfnifs hier und da Bemerkungen und Zusätze einzutragen. MitHeinrichs I Zeit werden die selbständigen Eintragungen häufiger 3 ),durchweg panegyrisch für die Ludolfinger; nach einer Lücke von961—983, die sich aus dem späteren sächsischen Chronographenzum Theil ergänzen läfst, finden wir den Verfasser schon 993 alsAugenzeugen redend, und von da an beginnt nun eine sehr aus-führliche Geschichtserzählung, die von Jahr zu Jahr fortschreitet,und wenn nicht immer gleichzeitig, so doch nicht sehr fern von denEreignissen aufgezeichnet ist. Von 1004 an tritt eine lebhafte Ab-neigung gegen Heinrich II hervor, welche sich vorzüglich an seinerücksichtslose Klosterreform anknüpft; noch bis in den Anfang von1016 scheint dieselbe völlig gleichzeitige Hand kenntlich zu sein.Der weitere Fortsetzer aber ist ein eifriger Bewunderer des Kaisers;die nächsten Jahre sind weit kürzer und nicht fehlerfrei, wohl nach-träglich ergänzt von demselben, welcher 1020 mit breitem pomp-haften Redeflufs fortfährt 3 ).
Vieles erinnert in diesen Jahrbüchern an die alten Reichsanna-len, allein es fehlt doch die gleichmäfsige Einheit, es fehlt auchder umfassende Ueberblick über das ganze Reich. Wenn man auchdie Beziehung der fürstlichen Aebtissin zum Kaiserhofe wahrnimmtan der zuverlässigen Kunde von entfernten Ereignissen, so überwiegtdoch das Interesse für die nähere Umgebung, namentlich die Kämpfemit den Slaven, und die unbedeutendsten localen Vorfälle tretenohne Unterscheidung zwischen die grofsen geschichtlichen Begeben-
*) Gegen den Widerspruch von H. Lorenz, Germania XIX (1886)S. 137—150, s. NA. XU, 428.
2 ) Nach H. Detmer, Otto II bis zum Tode seines Vaters, Leipz. Diss.1878, Excurs, beginnen aus Quedlinburg selbst stammende Notizen nichtvor 913, und können nicht vor 967 (Kaiserkrönung Otto's II) geschriebensein. Jahresbericht f. Geschichtswissenschaft I, 138.
3 ) Ich folge hier jetzt der gegen H. Pabst zu Hirsch's Heinrich II, II,443—449 gerichteten Ausführung von Usinger, Forsch. IX, 346—360. DerText von 1014 und 1015 ist S. 351 in Ordnung gebracht mit Hülfe desChronogr. Saxo, und mit Hinweis auf Zeifsberg: Die Kriege Heinrichs IImit Bol. von Polen, SB. LVI1, 397.