III. Die Zeit der Ottonen.
Von Heinrich I bis znm Tode Heinrich H, 919—1024.
§ 1. Allgemeines.
Contzen, Die Geschichtsckreiber der Sachs. Kaiserzeit. Regensburg 1837. Enstelltdurch Benutzung der falschen Corveyer Chronik, und durch die neuen Ausgaben derQuellen unbrauchbar gemacht. — Stalin Wirt, Gesch. I, 419—426. L. Giesebrecht,Wendische Geschichten III, 294—307. Waitz, Ueber die Entwicklung der deutschenHistoriographie im Mittelalter, in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 97—103.
— W. Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, I, 777—790. II, 557—560.
— Guil. Maurenbrecher de historicis decimi saeculi scriptoribus, qui res ab OttoneMagno gestas memoriae tradiderunt, Bonnae 1861; vgl. Lit. Centralblatt 1862, Sp. 837.
lVJ.it dem Jahre 906 endigt Regino's Chronik, ein Jahr, bevor Her-zog Liutpold mit der Blüthe des bairischen Volkstammes von denUngern erschlagen wurde. Ein schwaches Kind safs auf dem Throneund vermochte nicht das Reich zu schirmen. Es hatte den An-schein, als ob die ganze von Karl dem Grofsen neu gepflanzte Kul-tur bereits dahin sinken sollte. Ein Stift nach dem anderen wurdeden Normannen zur Beute, und was übrig blieb, rissen die räube-rischen Grofsen an sich, die in ihren gegenseitigen Fehden verheer-ten, was dem äufseren Feinde noch entgangen war. Die Sitze derBildung und Gelehrsamkeit verstummten; auch wenn sie der gänz-lichen Verödung entgingen, liefs doch die nagende Sorge um diestets gefährdete Existenz keine wissenschaftliche Thätigkeit auf-kommen.
Schlimmer noch als in Deutschland, sah es in den Nachbar-ländern aus; die Normannen, aus Sachsen zurückgeschlagen, haustenin Frankreich und Lothringen, ohne Widerstand zu finden, währendder Süden von sarazenischen Seeräubern verheert wurde. Die Bre-tonen und Waskonen schüttelten das fränkische Joch ab, und dieUngern streiften auf ihren schnellen Rossen bis an den Ocean. InItalien begegneten spanische und afrikanische Sarazenen den Ungern,und die innere Zwietracht war in beiden Ländern noch ärger alsin Deutschland.