338 HI- Ottonen. § 3. Gandersheim. Quedlinburg.
der Uebertragung der heiligen Pusinna. Hier ward Hathuniod er-zogen, und es wird von Agius gerühmt. Hier wurde auch die KöniginMahthild unter der Aufsicht ihrer gleichnamigen Grofsmutter, derAebtissin des Klosters, erzogen und unterrichtet. Als "Witwe stiftetedie Königin das Kloster Nordhausen, und hier wurde im nächstenJahrzehnt nach ihrem Tode (28. Febr. 968) ihr Leben beschrieben,entweder von einer Nonne des Stiftes oder von einem Priester, derihr nahe gestanden hatte und von der Aebtissin Ricburg die übrigenNachrichten erfuhr. An den Kaiser Otto II ist es gerichtet undnatürlich ganz panegyrischer Art. Auch die Form ist ungeschickt,aber in dieser Zeit war es noch ein nicht häufiges Verdienst, über-haupt schreiben zu können. Der Inhalt genügt freilich unserenWünschen bei weitem nicht; die gewöhnlichen Schilderungen klöster-licher Frömmigkeit nehmen den gröfsten Raum ein, und wie Einharddie Worte Suetons benutzt hat, um den Kaiser Karl zu schildern,so finden 'wir hier ganze Stellen aus Sulpicius Severus und aus demLeben der Radegunde angewandt. Herzog Heinrich ist von Jaffeentlarvt als der Pamphilus aus Terenz Andria 1 ). Das Formelhaftedieser Lobpreisungen tritt dadurch hier noch mehr als sonst hervor,und an einer Stelle ist sogar die Geschichte selbst dadurch sehrwesentlich berührt worden, indem Otto I eine gewaltsame Thron-besteigung zum Vorwurf gemacht wird. Diese Behauptung, welchefrüher einigen Anstofs erregt hatte, wird nun niemand mehr irren,seitdem Jaffe, der jene fremden Federn überhaupt zuerst entdeckte,hier eine Stelle des Sulpicius Severus nachgewiesen bat, welche denKaiser Maximus angeht. Seitdem hat nun H. Heerwagen auch nochdie Plünderung der Vita S. Gertrudis ans Licht gebracht, und da-durch Koepke's Ansicht von einer Benutzung des Widukind in dieserBiographie die letzte Stütze entzogen. Er hat zugleich auf die zahl-reichen Fragmente von Hexametern hingewiesen, welche bedeutendeVertrautheit mit alten Dichtern zeigen, während dagegen der vonLoeher angeregte Gedanke an eine ursprünglich metrische Bearbeitungdurch die musivische Zusammensetzung mit jenen Plagiaten un-möglich wird 2 ).
Dennoch gewährt uns diese Schrift einige schätzbare Nach-richten, und es ist deshalb sehr erfreulich, dafs R. Koepke sie in
') Forschungen IX, 343—345.
a ) Heerwagen: Einige Bemerkungen zu den beiden Lebensbeschrei-bungen der Königin Mathilde, Forschungen VIH, 367—384. Sehr beaeh-tenswerth für die schablonenmäfsige Natur der Legenden überhaupt, undzur Warnung, dafs man auf die stereotypen Wendungen derselben keinGewicht zu legen hat.