Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
337
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Eberhart von Gandersheim. 337

Aber gerade unter ihr scheint die Hoffart dort eingezogen zusein. Das Buch war wohl sicher von keiner Nonne verfafst. Esbehandelte die Stiftung des Klosters und dessen Geschichte bis zuder Kirchweih von 1007 und der Schenkung von Derneburg, nebstder aufs engste damit verflochtenen, ja an die Pflege des Klostersgeknüpften Erhebung des Hauses des Ludolfinger.' Im Jahre 993war das Kloster abgebrannt; nach Beilegung des langen Streites mitdem Erzbischof Willegis wurde der Neubau 1007 durch den BischofBernward von Hildesheim eingeweiht, und ohne Zweifel durch dieseVorgänge wurde die Schrift veranlafst. Von Hrotsuit scheint derVerfasser nichts mehr gewufst zu haben. Dagegen benutzte erWidukind, vorzüglich für die Geschichte des Königs Heinrich, undverband damit eine schon sagenhaft entstellte Ueberlieferung vomUngernkrieg. Die Aebtissinnen Gerbirg und Sophie werden sehrverherrlicht, aber was von ihnen und ihrem Verhältnifs zum Kaiser-haus berichtet wird, trägt schon ein so sagenhaftes Gepräge, dafseine geraume Zeit dazwischen liegen mufs. Erhalten ist uns diesesBuch nicht, wohl aber die deutsche Bearbeitung des „papen Eber-hart" von 1216 in wortreicher Reimerei 1 ).

Merkwürdig ist vorzüglich, dafs uns hier, wie es nach der sorg-fältigen Untersuchung von Paul Hasse scheint, der erste Anfangjener sagenhaften Ausschmückung der Geschichte entgegentritt, derenwir noch mehrfach zu gedenken haben werden; noch andere Spurenleiten dabei gerade nach Gandersheim, und die Darstellung desSieges über die Ungern in der von Heinrich von Herford benutztenSachsenchronik ist mit dem Bericht bei Eberhart verwandt 2 ).

In der Zeit der Ottonen scheinen auch andere FrauenklösterSachsens hinter Gandersheim an gelehrter Bildung nicht zurück-geblieben zu sein, wenn auch gerade keine Hrotsuit ihnen einen sohohen Ruhm vor der Welt verlieh, wie Gandersheim. Der Hazechavon Quedlinburg gedachten wir schon oben (S. 321). Nicht leichttraten die Nonnen als Schriftstellerinnen auf, aber auch die Bildungder Priester, welche wie Agius dem Stifte nahe standen oder auchdem Kloster selbst angehörten, erlaubt einen vortheilhaften Schlufsauf den Zustand der Klosterschule.

Herford hatten wir schon früher (S. 253) zu erwähnen wegen

1 ) Eberhards Reimchronik von Gandersheim, neue Ausg. von L. Weiland,MG. Deutsche Chroniken II, 385—429. Vgl. P. Hasse: Die Reimchronikdes Eberhard von Gandersheim, Diss. Gott. 1872.

2 ) Nicht daraus abzuleiten, s. Waitz, Jahrbb. unter Heinrich I, 3. Ausg.S. 259.

Wattenbach, Geschichtsquellen I. 6. Aufl. 22