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1 (1893)
Entstehung
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336
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336 DI. Ottonen. § 3. Gandersheim. Quedlinburg.

gestorbenen Erzbischof Brun noch als lebend. Bruno Zint 1 ) hat dieAnsicht aufgestellt, dafs sie, als sie die "Widmungen an Gerbergaund an Otto I schrieb, auch die Absicht hatte, ihr Werk in gleichausführlicher "Weise bis zum Schlufs zu führen, worauf der "Wortlautallerdings führt; später habe sie, als Otto II ein Exemplar verlangte,die Darstellung der Kaiserzeit aufgegeben und den summarischenSchlufs hinzugefügt. In der Zwischenzeit könnte ihr Widukindbekannt geworden sein, der bei der eigentlichen Arbeit ihr nicht■vorlag. Dagegen tritt Zint sehr bestimmt für die schon früher auf-gestellte Behauptung ein, dafs Liudprands Antapodosis ihr bekanntgewesen und von ihr benutzt sei, und bringt dafür sehr erheblicheGründe bei. Mit den von ihr in der Widmung gebrauchten Aus-drücken läfst sich das wohl vereinigen, da Liudprands Werk dochganz anderer Art war.

Später behandelte Hrotsuit in ähnlicher Weise auch die Anfängeihres Klosters und dessen Geschichte bis zum Jahre 919, bis zumTode der Christina, der letzten von den drei Töchtern Ludolfs,welche nach einander dem Stifte vorstanden 2 ). Da diese Dichtungensich von der Prosa fast nur durch die äufsere Form unterscheiden,so lassen sie sich den später so beliebten Reimchroniken vergleichen;sie schliefsen sich nicht dem Epos Angilberts, sondern den versi-ficirten Annalen des sächsischen Dichters an.

Die Gandersheimer Nonnen sind dem gewöhnlichen Geschickreicher und vornehmer Stifter verfallen; von ihren Studien ist nachdiesen vielversprechenden Anfängen ferner nicht die Rede. Ueberden Kirchenstreit, welcher so viel Unruhe erregte, haben wir derHildesheimer Darstellung eine Gandersheimer nicht gegenüber zustellen. Von der Aebtissin Sophie (1002—1039), Otto's II Tochter,heilst es zwar noch:

Danken, word unde werk wände se all to gode,Under der ebtissen or nichteln hodeLernde se clostertucht unde ok landrecht darto;De scrift to lernde was se vlitich spade unde vro.Dat bok secht, dat se so vele wisheit konde,Dat se ok wolgelarden meistern wedderstunde.

J ) Bruno Zint: Ueber Roswitha's Carmen de gestis Oddonis, Königsb.Diss. 1875.

2 ) De primordiis coenobii Gandersheimensis. MG. SS. IV, 306—317. Dienach einer von Waitz, Arch. YIII, 266, angef. Notiz in Koburg befindlicheCopie habe ich dort vergeblich gesucht, dagegen ein altes Verzeichnifsdes Gandersheimer Kirchenschatzes gefunden und im Anz. d. Germ. Mus.XX, 345—347 mitgetheilt.