Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
333
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Herkunft der Schwaben. Ibrahim-ibn-Jaküb. 333

jetzt Waitz auch diese Stücke Widukind zu. In dieser Gestaltfindet sich das "Werk in der Steinfelder Handschrift (Cod. 2, jetztim Brit. Museum Add. 21109) und in der Frechtschen Ausgabe, undso lag es schon Ekkehard und dem Annalista Saxo vor. Man möchteglauben, dafs Widukind selbst mancherlei geändert und auf dieRänder geschrieben hat, und dafs die Abschreiber bald die ursprüng-liche Schrift und bald die Aenderungen und Zusätze aufnahmen.

Die sagenhafte Erzählung Widukinds von der Theilnahme derSachsen an dem Kampfe der Franken und Thüringer ist, auch hierdurch Ekkehard vermittelt, im zwölften Jahrhundert benutzt wordenfür die seltsame Geschichte von der Herkunft der Schwaben,in welcher an die Stelle der Sachsen die Schwaben gesetzt sind,die wegen Hungersnoth aus Schweden auswanderten. Diese vonGoldast 1604 als Anonymus de Suevorum origine zuerst veröffentlichteFabel, welche aber Spuren wirklicher alter Sage enthält, ist vonMüllenhoff nach einer ziemlich gleichzeitigen Handschrift neu heraus-gegeben 1 ), der zugleich nachgewiesen hat, dafs sie nur im sächsischenSchwabengau an der Bode entstanden sein kann, aber in Schwabenaufgezeichnet ist.

Unerwarteter Weise sind unsere Nachrichten über diese Zeiten,ganz vorzüglich aber über die Zustände der Wendenländer, durcheinen sehr werthvollen Fund vermehrt worden, nämlich den in einemarabischen Sammelwerke enthaltenen Bericht des Juden Ibrahim-ibn-Jaküb, d. i. auf deutsch Abraham Jakobsen, über dieSlaven. Er hat, wie er selbst erwähnt, Kaiser Otto gesprochen undGesandte der Bulgaren in Merseburg getroffen. Man hat das aufdas Jahr 973 bezogen, allein von Herrn Kunik habe ich jetzt erfahren,dafs seiner Ueberzeugung nach Ibrahim seinen Bericht vor 970 abge-fafst hat, was allerdings besser zu der Thatsache stimmt, dafs schon971 das Königthum der Bulgaren sein Ende fand. Eine Unter-suchung über diesen Bericht, in vielen Stücken von früheren Deu-tungen abweichend, hat Fr. Westberg verfafst; dieselbe ist abernoch nicht gedruckt, und ich verdanke dem Verf. die Mittheilungseiner Resultate in der neuen Ausgabe der Uebersetzung des Widu-kind 2 ).

erkennen will, so ist dagegen doch zu bemerken, dafs diese Stellen sichschon in A finden, also älter sind als die Vollendung des Werkes, unddeshalb nur von Widukind selbst herrühren könnten.

*) Zeitschrift f. D. Alt. XVII, 57—71 mit Nachtrag XIX, 130. Uebers.bei der 2. Ausg. des Widukind, S. 131—137.

2 ) Da dieser Bericht der deutschen Historiographie fern liegt, begnügeich mich, auf meine Bearbeitung nach De Goeje zu verweisen, hinter der