Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
332
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332 IH- Ottonen. § 2. Sachsen.

kind ist eben mit seinen Vorzügen, -wie mit seinen Mängeln einganzer Sachse des zehnten Jahrhunderts, und in ihm spiegelt sichdie Natur seines Stammes treu und "wahr. Es konnte daher auchnicht fehlen, dafs sein Werk gern und viel gelesen wurde; es findetsich bei den späteren Schriftstellern überall benutzt, jedoch seit demzwölften Jahrhundert nicht mehr unmittelbar, sondern nur durch dieVermittelung Ekkehards, der es fast ganz in seine grofse Weltchronikaufgenommen hatte 1 ). Daraus erklärt es sich wohl, dafs uns nurdrei Handschriften davon erhalten sind. Wie es scheint, enthältvon ihnen die eine, jetzt Dresdener (A), das Werk in seiner ursprüng-lichen Gestalt 2 ); später hat Widukind am Schlüsse noch einiges inloserer Verknüpfung hinzugefügt, den so sehr merkwürdigen Brief desKaisers aus Capua und die schöne Schilderung vom Tode der KöniginMahthild und von des Kaisers Heimkehr und Tod. Zugleich ver-änderte er einige Ausdrücke; vielleicht auch die Stelle über desErzbischofs Hatto Nachstellungen gegen Heinrich (I, 22), in welcherdie Dresdener Handschrift von der Schuld des Erzbischofs schweigt.Doch ist auch möglich, dafs vielmehr in der an Fremde hinaus-gegebenen Abschrift jene bedenkliche Stelle geändert war, denn siemacht den Eindruck einer Abkürzung, und es sind Worte darin,welche nur durch die Vergleichung mit Cod. 1 ihre Erklärung finden 3 ).Die in Corvey gebliebene Handschrift wurde abgeschrieben (Cod. 1in Montecassino) und vielleicht etwas später in Corvey interpolirt,um eine Notiz über den Abt Bovo und eine ausführliche Erzählungder beliebten Volkssage von dem Untergange des Grafen Adalbertvon Babenberg durch Hatto's Verrath anzubringen 4 ). Doch schreibt

') Benutzung durch Dietrich von Niem zeigt Lindner, ForschungenXXI, 90.

2 ) Vgl. über diese Handschrift NA. II, 450, und die neue Ausgabevon Waitz.

3 ) Namentlich: „Hatho videns suis artibus finem impositum". Dafsdie Darstellung der Dresdener Handschrift nicht in Widukinds Stil ge-schrieben wäre, und man deshalb mit Waitz die Hand eines Fremdenerkennen müfste, möchte ich nicht mehr behaupten. Auch Waitz ist davonzurückgekommen. Für die Halsbandgeschichte findet sich ein merkwürdigesSeitenstück in Walkenried, welches Leibniz, Ann. Imp. II, 263 erzählt, undin Konrad Stolle's Ei-furter Chronik, herausgegeben von Hesse, S. 177.Zu I, 12 vgl. noch Mich. Lindener ed. Lichtenstein, S. 130: „vermeinetauch, unser Herrgott hiefs Herman*.

4 ) B. Simson bemerkt hiergegen, dafs 2 an mehreren Stellen A nähersteht, was richtig ist. Dem Schreiber derselben kann das überarbeiteteOriginal selbst vorgelegen haben. Auch Waitz bemerkt, dafs der Text in2 besser sei als in 1. In der Oratio S. Viti I, 34 steht 2 dem Originalam nächsten, 3 aber stimmt mit A und 1. B. Simson, NA. XII, 597.Vgl. dens. NA. XV, 565—575. Wenn Giesebrecht I, 810 Glossen im Text