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1 (1893)
Entstehung
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330
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330 HI. Ottonen. § 2. Sachsen.

der Schilderung der Schlachten und anderer Begebenheiten verweilt,über ihre geschichtliche Verknüpfung aber rasch hinwegeilt. DieComposition des "Werkes ist von R. Koepke genau untersucht unddargelegt: recht deutlich stellt sich daraus die ganz einheitlicheursprüngliche Aufzeichnung dar, welche durch das gewissenhafteBestreben, auch anderen Thatsachen ihre Stelle anzuweisen, zerstücktund oft unklar geworden ist. Am auffallendsten ist in solcher "Weisedie Schilderung der Schlacht auf dem Lechfelde zerrissen. In demAutograph des Leo von Ostia sehen wir ein solches Verfahren nochdeutlich vor uns, doch ist ohne Zweifel Koepke in seinen Folgerungenund Behauptungen vielfach zu weit gegangen: an einen fertiggeschriebenen Entwurf des ganzen Werkes in dieser Weise ist gewifsnicht zu denken. Eingehend kritisirt und zurückgewiesen ist Koepke'sHypothese von J. Raase 1 ).

Einen seltsamen Gegensatz zu dem ganz volksthümlichen Inhaltbildet der gesuchte sallustische Ausdruck 2 ), gemischt mit den Wortenund Wendungen der lateinischen Bibel. Mühsam zieht er demwiderstrebenden Gedanken ein altrömisches Kleid an, das oft nurschwer und unvollkommen erkennen läfst, was er eigentlich sagenwill. Die Nachahmung der antiken Redeweise beherrscht ihn sosehr, dafs er sogar Heinrich wie Otto nach dem Siege über dieUngern vom Heere als Imperator begrüfsen läfst, und Otto auch vonda an so nennt, die Kaiserkrönung in Rom aber ganz übergeht, wiedenn überhaupt der Pabst in der eigentlichen Geschichtserzählunggar nicht genannt wird 3 ).

Betrachten wir Widukinds Buch als eigentliches Geschichtswerk,so können wir nicht umhin, es für sehr mangelhaft zu erklären;seine Auffassung der Dinge und namentlich seines grofsen Kaisersist keineswegs richtig; so wie der Kaiser selbst den Standpunkt

l ) Widukind von Korvei, Rost. Diss. 1880.

'-) Dafs er auch Livius gekannt habe, weist Koepke S. 175 nach.Benutzung des Tacitus u. a. sucht Manitius nachzuweisen, NA. XI,45-90.

3 ) Maurenbrecher S. 40 bemerkt, dafs Widukind einem im Mittelalterhäufigen Sprachgebrauch folgend unter Imperator den Herrscher übermehrere Völker versteht, weshalb er auch Theuderich so nennt, vgl. Ann.Fuld. a. 869: Mon. Sangall. II, 11 und die Titel des angelsächsischen KönigsEadgar, die Krönung Alfons von Spanien 1135. Doch betrachtet er Theu-derich ganz nach der Analogie des karol. und sächs. Kaiserthums, und dasgänzliche Schweigen von der Kaiserkrönung ist darum nicht minder auf-fallend. In Bezug auf sein Verhalten zum Wunderglauben seiner Zeit istzu bemerken, dafs probare bei ihm nicht billigen, sondern erprobenbedeutet, und er deshalb über S. Wenzels Wunder keine Mifsbilligung,sondern nur einen kritischen Zweifel ausspricht.