328 III. Ottonen. § 2. Sachsen.
gelehrter Thätigkeit. Deshalb betrachten wir nach einander dieeinzelnen Reichslande und beginnen mit demjenigen, von welchemdie Herrschaft der Ottonen ausging, mit Sachsen.
§ 2. Sachsen. Corvey.Das Kloster Corvey, von Anfang an in enger Verbindung mitdem Hause der Ludolfinger und ihrer Gunst und ihres Schutzes sicherfreuend, hatte von der Ungunst der Zeiten weniger gelitten alsandere Stifter. Doch verschwand auch hier nach Bovo II, mit Aus-nahme der dürftigen Annalen 1 ), jede Spur litterarischer Thätigkeit,bis der Glanz von Otto's des Grofsen Thaten ein Geschichtswerkaus diesem Kloster hervorrief, wie noch keines in Sachsen ans Lichtgetreten war, dessen Form aber zugleich einen bedeutenden Verfallder grammatischen Schulbildung bekundet.
Widukind.
Widukindi Res gestae Saxonicae ed. Waitz, MG. SS. III, 408—467. Bes. Abdruck, neueAusg. 1882. Uebersetzung von Schottin, mit Einleitung von Wattenbach 1852, 1882,mit Nachtr. 1891. Geschichtschr. 33 (X. 6). Facs. d. Dresd. Hs. in E. Berners Gesch.d. Pr. Staats I, 1890. Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 100. L. Giesebrecht, Wend.Geschichten III, 295. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 779. Manren-brecher S. 32—43. W. v. Korvei (Ottonische Studien I) von R. Koepke, 1867. Vgl.Waitz, GGA. 1867 S. 1429-1438. Waitz: üeber das Verhältnifs von Hrotsuits GestaOddonis zu Widukind, Forsch. IX, 335—342. Alfred Kirchboff: Ueber den Ort derUngarnschlacht. Forsch. XII, 573—592; Wyneken, ib. XXI, 239-250; Grandaur zurV. Uldalrici. Vgl. auch Jul. Voigt, Die Pöhlder Chronik und die iu ihr enthaltenenKaisersagen, Diss. Hai. 1879 (NA. V. 468). Zu I, 12 (Hirmin) Krause, NA. XVI,611; zu I, 16 O. v. Heinemann: Die Niederlage der Sachsen durch die Normannen880, Mitth. d. Vereins f. Hamb. Gesch. 1880, S. 58-65 (NA. VI, 203). Zu I, 36(Lunkiui) Virchow, Verhandl. d. Berl. Anthropol. Ges. 1886, S. 422 ff. Zu I, 40(Chnuba) R. v. Liliencron, Der Runenstein von Gottorp, Kiel 1888 (NA. XIII, 654).Zu II, 1 (Krönung Ottos) Beissel über den Aachener Königstuhl, Ann. d. Aach. Ge-schichtsvereins, 1888, S. 14ff. Zu II, 10 (Schöppenkampf) B. Simson, Forsch. XXV,369—373. Planck, Münch. SB. 1886, S. 155-180.
Im Jahre 967, als Kaiser Otto auf der Höhe seiner Macht stand,unternahm es Widukind, Mönch im Kloster Corvey, die Geschichteseines Volkes zu schreiben, nachdem er vorher sich mit der Be-arbeitung von Heiligenleben beschäftigt hatte 2 ). Dadurch, so sagt erselbst, habe er seinem Berufe genug gethan; jetzt erfülle er diePflicht gegen seinen Stamm und sein Volk, indem er die Thatenihrer Fürsten niederschreibe. In der Widmung an die Aebtissin vonQuedlinburg, des Kaisers Tochter Mahthild, bezeichnet er genauerals seinen Gegenstand die Thaten Heinrichs und Otto's; die Ueber-
') Oben S. 254. Durch ihren Inhalt sind sie bei dem Mangel andererNachrichten wichtig.
2 ) Es sind alte Legenden, die er nur stilistisch umformen konnte. Ermuss sich also darin mehr zugetraut haben, als wir ihm zugestehen können.Leider sind sie nicht bekannt und wir wissen also nicht, ob sein Stil darinnicht ein ganz anderer war.