Die Bildung in Italien. 313
nicht zum geistlichen Stande bestimmt ist. Der italienische Laielas seinen Vergil und Horaz, aber er schrieb keine Bücher, währenddie Geistlichkeit theils in Rohheit versank, theils zu sehr in denpolitischen Händeln befangen war, um an den wissenschaftlichenBestrebungen der Zeit Theil zu nehmen. Daraus erklärt sich derMangel litterarischer Productivität und die Dürftigkeit der vorhan-denen Litteratur, während andererseits bei jenem Panegyristen undetwas später bei Liudprand plötzlich eine überraschende Fülle klas-sischer Gelehrsamkeit und grofse Gewandtheit im Ausdruck hervor-traten, namentlich im Versemachen, welches ein Hauptgegenstand derSchulbildung war. Denn einzelne vom geistlichen Stande naschtenauch von jener verbotenen Frucht; im allgemeinen aber stand derClerus im Gegensatz zu diesem Treiben, in dem er nicht mit Un-recht ein heidnisches Element erkannte. Die Wissenschaft war hiernicht in den Dienst der Kirche genommen; sie behauptete einenunabhängigen Standpunkt, war aber fast ausschliefslich formalerNatur und darum wesentlich unproductiv.