306 H. Karolinger. § 21. Italien.
in Schweigen, und für lange Zeit geht keine Erscheinung der Litteraturvon Rom aus 1 ).
Nicht auf den Vorrang in 'wissenschaftlicher Ausbildung begrün-dete man in Rom den Anspruch auf Beherrschung der Kirche; diegrammatischen Studien betrachtete man hier wegen ihrer heidnischenAntecedentien und der Beschäftigung mit den heidnischen Schrift-stellern stets mit Abneigung, und völlig bewufst verachtete man diefeinere litterarische Bildung. Es giebt nichts charakteristischeresdafür, als die Worte des päbstlichen Legaten Leo, mit denen erbald nach 991 der gallischen Kirche entgegentrat. Diese hatte durchGerbert ausgesprochen, es sei in Rom niemand, der eine litterarischeBildung empfangen habe, und folglich auch niemand, der nach denkanonischen Vorschriften auch nur die "Weihe zum Thürhüter erhaltendürfe. Leo erklärt das kurzweg für Ketzerei; auch Petrus habe sichum das Vieh von Philosophen nicht bekümmert und sei doch Pförtnerdes Himmels geworden 2 ).
Die blühendsten Klöster Italiens erlagen alle gegen das Endedes neunten Jahrhunderts den Sarazenen oder verkamen durch dieinneren Kriege und die allgemeine Unsicherheit und Verwilderung;bis dahin finden wir auch in ihnen einige Pflege der Wissenschaft,welche sich jedoch mit der litterarischen Bedeutung der transalpi-nischen Klöster nicht vergleichen läfst. Von einem angeblich imMutterkloster Montecassino zur Zeit des Fürsten Sico (ca. 830—833)verfafsten Bericht über die Translation der hh. Benedict und Scho-lastica nach Frankreich 3 ) hat 0. Holder-Egger nachgewiesen, dafs ereine Fälschung des Ps. Anastasius ist 4 ).
In der Folgezeit wurden hier Nachrichten über die Geschichte
!) Die Fortdauer einer ßechtsschule in Kom behauptet Fitting: ZurGeschichte der Rechtswissenschaft am Anfang des Mittelalters, Halle 1875;Juristische Schriften des früheren Mittelalters, Halle 1876.
2 ) „Et quia vicarii Petri et ejus discipuli nolunt habere magistrumPlatonem neque Virgilium neque Terentium neque ceteros pecudes philo-sophorum, qui volando süperbe ut avis aerem et emergentes in profundumut pisces mare, et ut pecora gradientes terram descripserunt: dicitis eosnee hostiarios debere esse, quia tali carmine imbuti non sunt. Pro quare sciatis eos esse mentitos, qui talia dixerunt. Nam Petrus non novittalia, et hostiarius coeli effectus est." MG. SS. IU, 687. Vgl. Baxmann,Politik der Päbste II, 144. Aehnlich schreibt Alexanders "VHI Secr. Ser-gardi 1690 an Mabillon: „Pauci sunt, qui in hac aula operam dent inuti-libus, ut ajunt, studiis. Nostrorum ingeniorum occupatio forum est clien-tumque defensio, quique ab infelici pupillo plus auri corrodit, litteratiorhabetur." Valery, Correspondance inedite de Mabillon et de Montfauconavec l'Italie (Paris 1847) H, 240.
3 ) Translatio S. Benedicli, Anal. Bolland. I, 75—84.
4 ) NA. XII, 129-141.