Saint-Riquier. Heirich. 301
haftigkeit und Anschaulichkeit in den "Wundergeschichten vom heil.Bertinus 1 ).
Hierher gehören auch die schon oben S. 164 erwähnten Auf-zeichnungen aus dem Kloster Saint-Riquier oder Centulum. Ausdiesem aber hat sich auch noch eine nicht unwichtige Sammlungvon Gedichten erhalten, mit welchen ja die Mönche des neuntenJahrhunderts sich überaus gerne beschäftigten; sie beziehen sichgrofsentheils auf Aebte des Klosters, welche, ohne Ausnahme Laien-äbte, der kaiserlichen Familie angehörten, und dienen zur Berichti-gung der chronologischen Angaben Hariulfs. Die Hauptmasse rührtvon dem Diaconus Mico her und umfafst die Jahre 825—853; erwirkte als Lehrer und hat auch eine Zusammenstellung von Versenälterer Dichter zu prosodischen Zwecken auf überlieferter Grundlageverfafst. Verbunden sind damit Gedichte des Spittlers Fredi-gardus aus den Jahren 861—871 und vermuthlich auch seinesZeitgenossen, des Custos Odulfus, welchem Traube einen vonHariulf in seine Chronik (III, 11, 12, 14) aufgenommenen Berichtüber die von ihm gesammelten Reliquien zuschreibt. Nachdemeinzelne dieser Gedichte an verschiedenen Orten veröffentlicht waren,die ganze Sammlung vor 50 Jahren von Bethmann abgeschrieben,ist sie jetzt von L. Traube vollständig herausgegeben und scharf-sinnig erläutert 2 ).
Zu den berühmtesten Gelehrten dieser Zeit gehörte Heirichaus Auxerre, 841 geboren und seit 850 zum Diener des heiligenGermanus geschoren; 859 wurde er zum Subdiaconus geweiht, undhat dann, nach der Sitte der lernbegierigen jungen Mönche jenerZeit, verschiedene Lehrer aufgesucht, namentlich auch Schotten-mönche, nach Traubes wahrscheinlicher Vermuthung in Laon. Einealte Aufzeichnung nennt ihn einen Schüler des Schotten Elias,Bischofs von Angouleme (f 860) und als seine Schüler wiederRemigius, der die Reimser Schule herstellte 3 ), und Hucbald denKahlkopf von St. Amand 4 ). Er selbst nennt Lupus, den Abt von
: ) Miracula S. Bertini bis 891, mit späteren Fortsetzungen, MG. SS.XV, 507—534, von Holder-Egger. Daselbst auch Ex miraculis S. Martialis,S. 280—283.
2 ) Carmina Centulensia, Poet. Lat. III, 265—368.
3 ) Ueber ihn s. Huemer, Wiener SB. XCVI, 505—551.
4 ) Bethmann, Archiv X, 333; ohne Kenntnifs dieses Abdrucks wieder-holt von Lucian Müller im Rhein. Mus. NF. XXII, 635. Quelle des Ade-marusCaban.III, 5. Der Codex stammt von einem Mönch S. Martialis Lemo-vicensis, wo Ademar studiert hat, Arch. VIII, 575. Waitz", SS. IV, 110,n. 44, unterscheidet den hier genannten Ademar; Dümmler, Litt.Centralbl.1878. Sp. 940, hält beide für identisch.