300 n. Karolinger. § 20. Prankreich.
welche Karl der Kahle bei aller Schwäche seiner Regierung lebhaftbegünstigte 1 ), kam der Geschichte wenig zu Gute. Denn die Ueber-arbeitung oder auch neue Aufzeichnung älterer Heiligenleben, welcheauch hier vielfach vorkommt, hatte mehr einen liturgischen oder docherbaulichen Zweck; die Form ist die Hauptsache dabei und von ernst-licher geschichtlicher Forschung nicht die Rede.
In Chelles liefs die Aebtissin Hegilwich, die Mutter der KaiserinJudith, 833 den Leib der Königin Baltechildis erheben, worüberbald nach 856 berichtet wurde 2 ). Etwas später finden sich hin undwieder Nachrichten über die Unthaten der Normannen in den Samm-lungen von "Wundergeschichten und den Berichten über die Irrfahrtender vor den gottlosen Feinden geflüchteten Reliquien. So in des AbtsOdo von Glanfeuil Geschichte der Uebertragung des h. Maurusvon Saint-Maur-sur-Loire nach Saint-Maur-des-Fosses bei Paris 3 ) 868,welche wohl etwas, doch nicht viel mehr Glauben verdienen mag,als desselben Odo angeblich nach einem gleichzeitigen "Werk desFaustus erneuertes Leben des h. Maurus 4 ), und mit besonderer Leb-
] ) Graf Vivian Laienabt von St.Martin undMarmoutiers, widmete ihmdie herrliche Metzer Bibel Lat. 1. mit den Versen bei Traube, Poet.Lat. III,243. Versus Johannis Sapientissimi (A. Mai, Auetores Class. V, 426—450,wiederholt hinter Joh. Scotus de divisione naturae ed. Schlüter, Monast.1838 S. 593—610 und Migne CXXXII ed. Flofs p. 1221—1240 ex. cod."Vat. Chr. 1587) voll Verherrlichung Karls und der Irmintrud von einemIren, wahrscheinlich dem bekannten Philosophen; vgl. NA. IV, 531, Ebertll,257—267. (Bei Plofs S. 1194 die Spottverse auf Rom: Nobilibus quondametc. auch Murat. Antt. II, 147. Bedae Opp. ed. Col. I, 449. JaffeBibl. V, 457 im Cod. Udalrici, cit. schon in der Invectiva, Diimml. GestaBereng. p. 138). Joseph, in Tours unter Erzbischof Amalrich (von vor849—855), der früher Vorstand der Schule gewesen war, gebildet mit Paul,849—855 Erzbischof von Rouen, war 847 und 848 Kanzler Pippins 11 vonAquitanien, dann „inelyti regis Ludowiei (des Stammlers) liberalium litte-rarum praeeeptor atque ejusdem sacri palatii cancellariorum ministeriofunetus". Er schrieb auf Bitten jenes Paul Translatio S. Ragnoberti, der847 von Bayeux mit Frechulfs Rath nach St. Victor d. Lexov. und dannin die neugebaute Kirche in Suiacum, vermuthlich Notre-Dame-d'Epines,gebracht wurde, wo Frechulf den Hauptaltar weihte; gedr. bei d'AcherySpicil. XII, 600—621. II, 127 bis 133 ed. IL Acta SS. Mai III, 620-624.Er erwähnt den Tod beider Erzbischöfe gleich nach Beginn seiner Arbeit.Vermuthlich schrieb er auch die betrüglich dem Lupus untergeschobeneVita $. Ragnoberti, ein Plagiat der Vita S. Reverentii; ed. Jules Lair, Bibl.de l'Ecole des Chartes V, 3, 89—124.
a ) Ex translatione S. Baltechildis, ed. Holder-Egger, SS. XV, 284.
3 ) Translatio S. Mauri. Mab. IV, 2, 165—183. Ex Odonis miraculisS. Mauri sive restauratione mon. Olannafoliensis, SS. XV, 461—472. Vgl.Ebert II, 351.
4 ) Schon von Papebroch aufgegeben, doch noch häufig benutzt; s. P.Roth, Gesch. des Beneficialwesens. S. 438; Bonnell, Die Anfänge, S. 200.Zeumer, NA. XI, 316.