160 II. Karolinger. § 5. Alcuin.
Alchimie, wie die ursprüngliche Form lautete, oder Alcuin,nannte sich gern in mehr lateinisch klingender Form Albinus. Ver-wandt mit Willibrord, dessen Leben er auch beschrieben hat, wurdeer urn das Jahr 735 in York geboren. Seine Bildung verdankte erder ausgezeichneten Domschule in seiner Vaterstadt unter der Lei-tung Egberts, der seit 732 Erzbischof war, und Aelberts, der Alcuinmit sich nach Rom nahm, als er nach der Sitte dieser Angelsachsendahin reiste, um Handschriften auf dem dortigen Markte zu erwer-ben, der noch immer bedeutend und damals wohl der einzige imAbendland war. Im Jahre 766 wurde Aelbert zum Erzbischof er-hoben, und Alcuin folgte ihm in der Leitung der Domschule. DerAuftrag, für Eanbald das erzbischöfliche Pallium vom päbstlichenHofe zu holen, führte ihn 781 wieder nach Rom, und auf dieserReise war es, wo er zu Parma mit Karl zusammentraf, an den erschon früher einmal eine Botschaft gebracht hatte 1 ), und von ihmdie Einladung erhielt, welche ihn vermochte, im folgenden Jahremit seinen Schülern Wizo 2 ), Fridugis 3 ) und Sigulf 4 ) an Karls Hof
') Vita c. 6. Dass der 773 von Karl an den Pabst geschickte Albi-nus Alcuin gewesen wäre, wie Jaffe p. 144 n. 1 annimmt, scheint mir un-möglich. Loibniz Ann. Imp. I, 40 hält ihn nach Albericus für den Bischofvon Angers.
J ) Genannt Candidus, von 797—801 bei Arn in Salzburg.
3 ) Genannt Nathanael, von 819—832 Kanzler; wahrscheinlich führteer das bessere Latein in die Kanzlei ein und veranlafste vielleicht dieSammlung der Carpentierschen Formeln in tiron. Noten, jetzt MG. Formu-lao p. 285 als Formulae imperiales e curia Lud. Pii; vgl. Sickel Acta Kar.I, 89—95 u. 160, B. Simson, Ludw. d. Fr. II, 235—238. Max Ahner, Fre-dogis von Tours, Leipz. 1878. lieber seine Schrift de nihilo et de tenebrisPrantl, Gesch. d. Logik im Abendland II, 17—19; Reuter, Gesch. d. relig.Aufklärung im Mittelalter I, 274; Ebert II, 221. Er war Alcuins Nachfolgerals Abt von St. Martin, wo Canoniker an die Stelle der Mönche traten und dieSchule verfiel; wenigstens ist in schroffem Gegensatz gegen Alcuins Zeit keinSchüler bekannt. Bei Herolds Taufe in Mainz erscheint er mit seinenSchülern. Bücher schrieb unter ihm und für ihn Adalbaldus presb., dersich artifex nannte, Delisle, Notice des Mss. de Tours, p. 81—83; L'ecolecalligr. de Tours p. 20. Desnoyers u. Delisle in Comptes rendus desSeances de PAcad. des Inscr. 1886 mit Monogramm. Album pal. pl. 21.Ein sehr schlechtes Andenken hinterliefs er in St. Bertin, wo er gleichfallsAbt war, s. Folcwini Gesta abb. S. Bert. MG. SS. XIII, G14, und darausin Folcards V. S. Bertini und bei Bovo, De elevatione S. Bertini. Nachseinem Tode 834 folgte in St. Martin Adelard, unter dem durch Amalrich,der 849 Erzb. v. Tours wurde, die Schule wieder aufblühte (vgl. unten§ 20). Dann folgt 845 Graf Vivian als erster Laienabt.
4 ) Genannt Vetulus, später als Alcuins Nachfolger Abt von Ferneresund Stifter der dortigen Schule. Er räumte seinen Platz Adalbert, derdie Boned. Regel einführte, und wurde selbst unter ihm Mönch; dannfolgt Alderieh bis 829, Odo, der abgesetzt wird, an dessen Stelle 22. Nov.842 Lupus tritt.