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1 (1893)
Entstehung
Seite
159
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Alcuin. 159

er hatte das Glück, die Früchte seiner Mühen noch selbst zu er-leben. "Wie ein Phänomen in dunkelster Nacht erscheint plötzlichdie Litteratur des neunten Jahrhunderts; nicht nur Geistliche, auchLaien schrieben Bücher, was seit Jahrhunderten nicht vorgekommenwar, und Jahrhunderte lang nicht wieder vorkommt 1 ).

Denn von Dauer war dieser Glanz nicht; er verschwand fasteben so plötzlich wie er gekommen war, aufs neue bedeckte Finster-nifs das Land, aber gerade in dieser Finsternifs bewährte sich diefeste Begründung von Karls Schöpfungen. So viel auch wieder ver-loren ging, es blieb noch immer genug übrig, um als Grundlage füralle Folgezeit zu dienen. Wir haben schon oben bemerkt, dafsKarl sein Werk nicht erst begann, dafs er den Boden vorbereitetfand durch die Befestigung und Ordnung des Staates, durch dieHerstellung der Kirchenzucht, und dafs er nur dadurch im Standewar, so fest zu bauen. Es regten sich auch bereits einige Keimelitterarischer Thätigkeit, als er auftrat, aber ihre rasche und glän-zende Entfaltung ist doch ganz sein Werk, und nicht mit Unrechtsagte man im Mittelalter von ihm, dafs er den Sitz der Studienvon Rom nach Paris verpflanzt habe 3 ). Zu einer Zeit, wo die Pa-riser Universität als der Mittelpunkt der Wissenschaft betrachtetwurde, galt er für den Stifter derselben. In dieser Form sprachsich der richtige Gedanke aus, dafs Karl der Stifter einer neuenCulturperiode gewesen war.

§ 5. Alcuin.

Alcuini Opera ed. Frobenius (Frohen Förster, Fürst-Abt zu St. Emmeram), 4 Bände, fol.Ratisb. 1777. Danach bei Migne, C. Ct. Neue Ausgabe der Briefe u. bist. Schriftennach Jaffe's Vorarbeit von Dümmler und Wattenbach, Bibl. VI. 1873. Alcuins Lebenvon F. Lorentz, Halle 1829. Monnier, Alcuin et Charlemagne, Paris 1853. 1863.,T, Bass Mullinger, The schools of Charles tbc Great and the restoration of educationin the ninth Century, London 1877. A. F. Thery, l'Ecole et l'Academie Palatinos.Alcuin, Amiens 187S. Dümmler, Art. Alcuin, Allg. D. Biogr. I, 343-348. K.Werner,Alcuin u. sein Jahrh. 2. Ausg. 1881. Ganz fabelhafter Brief über die Herkunft derBeneventaner unter Alcuins Namen NA. 1, 169—172. — Vgl.EbertH, 12—36. Cantor,Gesch. f. Mathematik I, 712—721. Hauck II, 119-145.

a ) Zu warnen ist vor dem immer wieder (noch von Prantl undL. Maitre) angeführten unechten Diplom über die Errichtung griechischerund lateinischer Schulen in Osnabrück, dessen Unechtheit zuletzt wiedervon R. Wilmans, Kaiserurkunden d. Provinz Westfalen, s. besonders S. 368,und Sickel, Acta Carol. II, 428 nachgewiesen ist. Auch Bass Mullingerwiederholte S. 70 unbekümmert die alte Fabel, hat sich aber in der Revuehist. X, 183 selbst berichtigt.

2 ) Zuerst bei Jordanus de praerogativa Romani imperii, ed. Waitz p. 70.In Vincentii Bellovac. Specnlo hist. XXIII, 173 und daraus bei Mart. Oppav.wird Alcuin die Verlegung des Studiums von Rom nach Paris beigelegt.Vgl. auch G. Paris, Hist. poetique de Charlemagne p. 66.