158 II- Karolinger. § 4. Karl der Grofse.
zeugt der erst später durch Bologna verdunkelte Ruhm der Recht-schule von Pavia.
Ein echt karlischer Gedanke war die Stiftung des ErzbisthumsHamburg an der Nordgrenze seines Reiches, die jedoch erst unterseinem Nachfolger zu Stande kam; aber gerade in den fernsten Ostenliefs er Alcuins ebenbürtigen Freund, Arn, den Abt yon St. Amand,ziehen, dem Tassilo 785 das Bisthum Salzburg verlieh 1 ). 798 er-richtete er hier dann ein Erzbisthum, welches bestimmt war, einfester und segensreicher Mittelpunkt in politischer, kirchlicher undlitterarischer Beziehung zu werden. Arn erfüllte seine Mission invollem Mafse; aus den Urkunden wie aus den Briefen Alcuins anihn 2 ) tritt uns das Bild des bedeutenden, nach allen Richtungenthätigen Staatsmannes und Kirchenfürsten klar entgegen, und wennihm auch zu schriftstellerischer Thätigkeit kaum Zeit blieb, so zeugendoch seine Bemühungen für die Sammlung eines Bücherschatzesdurch Abschriften von seiner Sorge für Schule und Lehre 3 )', wobeiihm von 797 bis 801 Alcuins Schüler Wizo hülfreich zur Seitestand. Die feindliche Erhebung des mährischen, dann des ungrischenReiches, die Errichtung selbständiger Metropolen im Osten, habenSalzburg nicht zu seiner vollen Entwickelung gelangen lassen, dochauch in dieser Beschränkung ist die Stiftung des bairischen Erz-bisthums von den bedeutendsten Folgen gewesen.
Ein wunderbarer Erfolg krönte diese Bemühungen Karls, und
') Karls Zustimmung war ohne Zweifel erforderlich, um so mehr, daArn die Abtei Saiut-Amand behielt. Zu A. Huber: Ueber das VorlebenArno's im Arch. d. W. Akad. XLVII, 197—217, ist zu bemerken, dafs inder Urk. v. 779 (Meich. n. 57) dd David und nicht archidiaconus bedeutet,der Diakon Arn ein anderer ist, und dafs in d. Urk. v. 776 (Meich. n. 48)nobis auf den Aussteller Bisch. Aribo geht, und also für die VerwandtschaftArns nichts austrägt. Vgl. auch Graf Hundt a. a. 0. S. 187.
'-') Leider sind uns keine Briefe von Arn an Alcuin erhalten, Bibl. VI,870 ein hübscher Brief von ihm an Cuculus, wie ein leichtfertiger SchülerAlcuins, wahrscheinlich Dodo, genannt wurde. Wichtige urkundliche Quellenaus seiner Zeit sind Indiculus Arnonis und Breves nolitiae Sahburgenses , nachden bekannten und bisher unbenutzten Handschriften herausgegeben undmit Erläuterungen versehen von Friedrich Keinz, München 1869; vgl.meine Anzeige in d. Heidelb. Jahrbb. 1870 S. 20—25.
3 ) Mehr als 150 Bücher liefs er nach Angabe des Necrologs schreiben,MG. SS. IX, 770; vgl. Alcuins Brief Frob. 76. Bibl. VI, 525. Darunterein Formelbuch, herausgegeben von Rockinger, Quellen zur bayerschenGeschichte, Bd. VII, von De Roziere, Revue bist, de droit francais etetranger, 1859, nach der Münchener und Kopenhagener Handschrift. UeberArn Büdingers Oesterreichische Geschichte I, 147 ff., über Wizo 149; Allg.D. Biogr. I, 573. Zeifsberg, Alcuin und Arno, Zeitschrift für österreichischeGymnasien, 1862, S. 85—98. Derselbe, Arno, erster Erzbischof von Salz-burg, Wiener SB. (1863) XLIII, 305-381. W. Giesebrecht, KönigsannalenS. 199—202; vgl. unten § 9.